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Betrachtungen zur „political correctness“: „Zigeuner“ ? - „Sinti und
Roma“? Reflection on “political
correctness”: The terms “Zigeuner” (Gypsies) or “Sinti
and Roma” ? Uyun terimler
üzerine düşünceler: „Zigeuner“
(Çingeneler) veya „Sinti ve Roma(n)lar“ |
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An English part of this website can be
found at the bottom of this page. Siehe auch: http://www.rbenninghaus.de/antiziganistizismus-kritik.htm |
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„Inzwischen hat mancher die
Political Correctness derart verinnerlicht, daß sein Computer beim Tippen des
guten alten Wortes ‚Zigeuner' abstürzt. Zigeuner heissen jetzt
,Angehörige einer mobilen ethnischen Minderheit'.“ (Margrit
Sprecher: „Sprach-Softies haben noch viel zu tun“, in: Berner Zeitung,
08.07.2000) „Umberto Eco hat es auf den Punkt gebracht, indem er sagte: Die ‚Politische Korrektheit’ ist überhaupt nur dazu da, um das einer Sache zugrunde liegende, aber ungelöste Problem zu
kaschieren. Eco hat Recht. Die PC fragt nicht, ob man ‚Neger’ liebt oder
nicht, ob man ‚Zigeuner’ akzeptiert oder nicht, ob man ‚Eskimos’ für Rohfleischesser hält oder nicht, sondern sie begnügt sich
mit einer oberflächlichen, sprachlichen Kosmetik. Und genau das ist
verlogen.“ (Peter Stiegnitz:
„Das darf man nicht mehr sagen“, in: Wiener Zeitung, 14.2.2009) „Das
Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern ‚gut gemeint’.“ (Gottfried
Benn, Schriftsteller und Arzt) „Es gibt in dem Milieu, in
dem ich mich aufhalte, eine Menge Leute, die glauben, man könne über die Kontrolle der Sprache zu einer besseren Welt
kommen… Sprachhygiene ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber in jedem
Fall Sprachüberwachung.“ (Bernd
Stegemann, Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie in Berlin, in: Der
Spiegel, Nr.13 vom 23. 3. 2019, S.119) „Googelt man 'Roma Sinti gendern', gelangt
man auf einige Seiten, in denen tatsächlich politisch korrekt vorgegangen
wird, und zwar mit Genderstern. Diese Seiten sind sogar ernst gemeint, und so erfährt man von der Existenz der Sprachkuriosität Sinti*zze und Rom*nja. Das muss man erst einmal aussprechen können, und zuvor muss man
es sich merken können. Aber so, wie unter denTaliban Kinder
den Koran auswendig lernen und auf diese Art sinnlose Kopfinhalte erwerben, so müssen eben in Zukunft auch
die politisch Korrekten eine lange Reihe von Konstruktionen und Sonderformen memorieren
– wir erleben die Gründung einer neuen Religion.“ (Jan
Henrik Holst, Linguist, am 20.3.2023 in: Schweres Versäumnis der Sprachverbesserer, https://www.novo-argumente.com/artikel/schweres_versaeumnis_der_sprachverbesserer) (Aufruf vom 27.8.2023) Immer wieder wird darüber diskutiert, welches denn nun die „korrekte“ Bezeichnung für die im deutschen Sprachraum „Zigeuner“ genannte Bevölkerungsgruppe sei/ sein müßte. Zuletzt war es die Inschrift auf dem geplanten Mahnmal für die Opfer des Naziterrors, die diese Diskussion nicht zuletzt auch unter Sinti-Organisationen erneut entbrennen ließ. Da ein zu dem Thema begonnener Aufsatz noch nicht abgeschlossen werden konnte, jedoch von verschiedener Seite das Bedürfnis zu solch einem Beitrag geäußert wurde, soll hier zunächst eine kurze Zusammenfassung einiger Argumente f ü r den Gebrauch der Bezeichnung „Zigeuner“ präsentiert werden. |
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1.
Der auf einer internationalen
Zigeuner-Konferenz 1971 in London angeblich gefaßte
Beschluß, daß Zigeuner
forthin „Roma“ genannt werden sollten, wurde von etwa zwei Dutzend
„Delegierter“ gefaßt, darunter nur einer Person
(Melanie Spitta) aus Deutschland. Aus etlichen Staaten mit einer
nennenswerten Zigeunerbevölkerung waren überhaupt keine „Vertreter“ bei
diesem Treffen anwesend. Solch ein weitreichender Beschluß,
der natürlich ohne vorherige Konsultation der „Basis“ gefaßt
worden ist, entbehrt jeglicher Legitimation. Dieser in der Folge
mystifizierte Kongreß war nicht mehr als ein Hinterzimmertreffen, das zudem noch von Nicht-Zigeunern
dominiert bzw. instrumentalisiert wurde. Übrigens, wie die
folgende Liste zeigt, sind einige Organisationen als „Tsiganes“
oder „Gypsies“ auf dem Kongress aufgetreten. |
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Die
„Delegierten“ und Beobachter auf dem 1.
Roma Welt-Kongreß 1971 in London. nach: Kenrick, D(onald) S.: The
World Romani Congress - April 1971 in: Journal
of the Gypsy Lore Society, 3rd series, vol.50 (1971), parts
3-4, S.101-108 (hier S.107 f.) Edinburgh
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2. Es ist eine falsche Vorstellung
(Volksetymologie), daß der Begriff „Zigeuner“ auf
„Zieh-Gauner“ zurückzuführen wäre. Diejenigen, die dies behaupten, tun das
häufig nicht aus Unwissen, sondern wollen sich auf unredliche Weise ein
Argument gegen den Begriff verschaffen. Die in slawischen Sprachen (und
ähnlich im Ungarischen) übliche Form „Cigani“ (u.ä.), auf die wahrscheinlich die deutsche Bezeichnung
„Zigeuner“ etymologisch zurückzuführen sein dürfte – die ursprüngliche
Entlehnung von dem Namen einer Sekte im antiken Griechenland (eine mögliche
Erklärung) ist nicht direkt ins Deutsche geschehen – kann natürlich nicht mit
einer postulierten Bedeutung „Zieh-Gauner“ erklärt werden. Aber selbst als
Volksetymologie ist diese falsche Herleitung kaum
verbreitet. Diejenigen, die ständig wider besseren Wissens
darauf herumreiten, tragen selbst zur Verbreitung dieses Unfugs bei und
betreiben schlicht und einfach Demagogie. 3. Es ist natürlich falsch, wenn immer wieder von verschiedener Seite (auch von Sinti-Funktionären) behauptet wird, daß der Begriff „Zigeuner“ von den Nazis geprägt worden wäre. Ebensowenig haben erst die Nazis ihn negativ besetzt. „Juden“ hat sicherlich durch die Nazis eine viel stärkere negative Besetzung erfahren, als das vor der braunen Zeit der Fall war. Dennoch würde heute niemand auf den Gedanken kommen, zu fordern, deshalb die Bezeichnung „Juden“ nicht mehr zu verwenden. 4. Der Begriff hat, wie viele Begriffe
und gerade auch ethnische Bezeichnungen, sowohl positive als auch weniger
positive „Mitschwingungen“. Dies wird sich mit
einer Umbenennung in „Roma“ oder „Sinti und Roma“ um keinen Deut ändern. 5. Eine Diskriminierung kann nicht
durch Umbenennungen bzw. noch weniger durch aufoktroyierte „politische
Korrektheit“ beseitigt werden, das muß auf anderen
Ebenen geschehen. Wie das NPD-Wahlplakat „Geld
für die Oma statt für Sinti & Roma“ deutlich macht, kann man seine
Abneigung gegen Zigeuner auch mit einer Umetikettierung
beibehalten. 6. Der Begriff hat einen festen Sitz
in der deutschen Volkskultur (in Liedern, Erzäh-lungen,
Sprichwörtern u.ä.) und selbst der Geographie
verschiedener Regionen („Zigeunereiche“, „Zigeunerberg“ u.ä.).
Es wäre auch absurd, nunmehr vom „Sinti-Baron“ oder „Roma-Schnitzel“ zu
sprechen, von „Sinti-und-Roma-Sauce“ oder dem „lustigen
Sinti-und-Roma-Leben“. 7. Bei aller immer noch bestehenden
Diskriminierung und Ausgrenzungsversuchen drückt der Begriff „Zigeuner“, an
den man sich seit langer Zeit gewöhnt hat, aus, daß
Zigeuner „irgendwie“ dazu gehören, anders als ein fremdes und fremd
gebliebenes „Sinti und Roma“. Mit letzterem wird diese Bevölkerungsgruppe der
Mehrheitsgesellschaft nicht weniger, sondern mehr entfremdet. 8. Es gibt auf der Welt kaum ein Volk,
das mit „x und y“
(Sinti und
Roma) bezeichnet wird bzw. sich so bezeichnet. 9. Weltweit gibt es für jede
Bevölkerungsgruppe Fremd- als auch Eigenbezeichnungen. Häufig sind die
Eigenbezeichnungen weit weniger bekannt als die Fremdbezeichnungen. Dabei
sind die Fremdbezeich-nungen selten wertneutral.
Auch die Deutschen werden nicht nur Deutsche (nach ihrer Eigenbezeichnung)
benannt, sondern Alemannen, Germanen oder „die Stummen“ (in slawischen
Sprachen). Trotzdem ist deshalb noch niemand hierzulande auf die Barrikaden
gegangen. 10.
Verschiedene Zigeunergruppen benutzen aus fremden
Sprachen hervorgegangene Bezeichnungen als Eigenbezeichnungen, z.B. Lovara (aus dem Ungarischen), Kalderascha,
Tschurara, Ursara (aus
dem Rumänischen) u.a.m. 11.
Wenn man, was eben weltweit nicht der Fall ist,
die Eigenbezeichnungen zum Maßstab machen wollte, dann müßte
man auch die jeweiligen Eigenbezeichnungen der verschiedenen Zigeunergruppen
„zulassen“ bzw. benutzen, die sich weder Sinti noch Roma (sondern etwa Dom
oder Lom, Calé/ Gitanos u.a.m.) nennen. Alles andere wäre inkonsequent.
Etwa Sinti als „Roma“ oder als „Untergruppe der Roma“ zu bezeichnen,
widerspricht dem verbalen Anspruch auf Eigenbezeichnung und zeigt die
Schwäche dieses Arguments. 12.
Es ist falsch zu behaupten, daß
der Begriff „Zigeuner“ (oder auch Gypsy, Tzigane, Cigani usw.) von den
„Betroffenen“ nicht verwendet bzw. abgelehnt würde. Dies könnte man als ein
„Neo-Stereotyp“ bezeichnen. Wenn diese in der jeweiligen Landessprache
sprechen, so verwenden sie meist (außer einigen Funktionären) selbst die
Bezeichnung Zigeuner, Gypsy usw. (Beispiele siehe
unten). 13.
Ein Alleinvertretungsanspruch, wie er sich aus der
Festlegung auf einen Begriff für alle Zigeuner ergibt, dürfte von den meisten
Zigeunern (besonders auch Sinti) abgelehnt werden. 14.
Da es eines übergreifenden Begriffes für alle
Zigeunergruppen bedarf, sollten die jeweiligen Bezeichnungen in den
verschiedenen Sprachen beibehalten werden, sprich: im Deutschen: „Zigeuner“,
da, soweit bekannt, in keinem Dialekt von Zigeunern eine entsprechende
Sammelbezeichnung existiert. 15.
Unter Sinti gibt es durchaus noch die Ansicht:
„was geht es die Gadsche/ Chale
(Nicht-Zigeuner) an, wie wir uns selbst nennen“, wenngleich es heute
natürlich keinen Sinn mehr macht, die Eigenbezeichnung verheimlichen zu wollen. 16.
Der Ton macht der Musik. „Scheiß Deutscher“ ist in
etwa ebenso beleidigend wie „dreckiger Zigeuner“. Es kommt also darauf an,
wie und in welchem Zusammenhang der Begriff verwendet wird. 17.
Daß
viele Deutsche den Begriff durchaus nicht oder nicht nur negativ besetzt
sehen, zeigen die nicht wenigen Karnevalsvereine und ähnlichen Gruppen, die
sich „Zigeuner“ nennen oder „als Zigeuner gehen“. 18.
Vor der „Sprachreform“, als nur einige Insider von
„Sinti“ und „Roma“ wußten, hatte man auch als einer
den Zigeunern wohlwollender Zeitgenosse keine andere Alternative, als eben
von „Zigeunern“ zu sprechen; d.h. der Begriff wurde durchaus wertneutral als
die im Deutschen übliche Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe verwendet. 19.
Der Begriff in der Zusammensetzung „Zigeunermusik“
wird als ein „Markenzeichen“ selbst noch von vielen Zeitungen u.ä. verwendet, die ansonsten von „Sinti und Roma“
sprechen oder schreiben. 20.
Obwohl schon in Deutschland etwa zwei Jahrzehnte
seit der „Einführung“ der Begriffe bzw. des Begriffs „SintiundRoma“
vergangen sind, haben die meisten derjenigen, die diese Begriffe (etwa in den
Medien) benutzen, den korrekten gramma-tikalischen
Gebrauch noch nicht gelernt. So ist von Sintis
(doppelte Verneinung) die Rede, von „der Sinti“ (richtig: der Sinto, Singular)
oder „die Sinti“ (eigentlich: Sintizza) und es wird
in ähnlich falscher Weise mit dem Wort „Roma“ (Plural) umgegangen. 21.
Es wird nicht selten von „Sinti und Roma“
gesprochen oder geschrieben, selbst wenn es sich (wie tatsächlich meist der
Fall) nur um Roma oder nur um Sinti handelt. Für einen außenstehenden „Laien“
ist es auch kaum möglich, eine Unterscheidung zwischen beiden zu treffen. Die
überwiegende Mehrheit der Sinti will jedenfalls nicht Roma genannt werden und
Roma würden nur mit dem Kopf schütteln, würde man sie als Sinti bezeichnen. 22.
Indem interessierte Kreise den vermeintlich
„historischen Beschluß“, daß
fortan alle Zigeuner „Roma“ genannt werden sollen, in Deutschland dahingehend
relativiert haben, indem sie von „Sinti und Roma“ sprechen, dokumentieren sie
damit eigentlich schon, wie sehr der unsinnige neue Sammelbegriff an der
Realität, sprich: der Eigenbezeichnung und dem Eigenempfinden mancher
Zigeunergruppen vorbei geht. 23.
Nun sind mittlerweile einige Nicht-Zigeuner im
deutschsprachigen Raum dazu übergegangen, nicht mehr von „Sinti und Roma“ zu
sprechen, sondern nur noch von „Roma“, selbst dann, wenn sie wissen, daß es sich in einem gegebenen Fall um Sinti (oder eine
andere Zigeunergruppe als die Roma) handelt, die sich nicht als „Roma“ vereinnahmen
lassen wollen. Begründet wird das dann teilweise damit, daß
das „international üblicher“ Sprachgebrauch wäre. Das Zustandekommen und der
Sinn oder Unsinn eines solchen Sprachgebrauchs wird dabei ebenso wenig
hinterfragt wie man sich darum kümmert, was Nicht-Roma unter den Zigeunern
davon halten. Das ansonsten gern bemühte Argument bzw. die Forderung,
Eigenbezeichnungen zu benutzen, bleibt dabei auf der Strecke. Vergleichbar
wäre das in etwa, wenn die Deutschen z.B. die Niederländer, Dänen, Schweden
usw. als „Mit-Germanen“ ebenfalls als „Deutsche“ bezeichnen würden,
vielleicht noch mit dem Hinweis, daß allein die
Deutschen im Englischen und manchen slawischen Sprachen als „Germanen“
bezeichnet werden. 24.
Was treibt solche Leute dann eigentlich um, worum
geht es ihnen, wem wollen sie damit dienen? Einige dieser Vorreiter der
politischen Korrektheit haben sicher im Sinn, den Zigeunern Einigkeit
„beizubringen“ – eine Einigkeit, die es zwar in der Geschichte nie gegeben
hat, aber was nicht ist, kann ja noch werden bzw. man wird schon dafür
sorgen, daß das so wird, wie sich das die
Revolutionsbegeisterten unter den Gadsche wünschen.
Wahrscheinlich würden sie sich vehement dagegen verwahren, wollte man diese
ihre Handlungsweise als Paternalismus, als Bevormundung klassifizieren. 25.
Wenn man sich fragt, warum gerade manche
Nicht-Zigeuner – offensichtlich mehr noch als die meisten Zigeuner selbst –
so vehement eine neue Sprachregelung propagieren, so drängt sich die
Vermutung auf, daß das bei einigen wohl aus schlechtem
Gewissen (angesichts von Diskriminierung und Verfolgung der Zigeuner über
Jahrhunderte) heraus geschieht, das man jedoch auf recht billige Weise zu
erleichtern sucht. 26.
Anderen, die laut aufschreien, wenn irgendwo das
Wort „Zigeuner“ fällt, geht es im Grunde genommen nicht in erster Linie
darum, daß hier eine „unmögliche“ Bezeichnung
verwendet würde, sondern sie sind erbost, daß man
damit an ihrer „Autorität“ gekratzt hat, indem man ihre zur „Moral“ erhobene
Ideologie nicht akzeptiert. Es geht um Machtausübung. Nachdem man einmal
seine Sicht der Geschichte und Gegenwart „patentiert“ hatte – selbst wenn sie
sich im Nachhinein als Unsinn herausgestellt haben mag – man kann sie nicht
mehr aufgeben, weil man dies als Verlust der Meinungshoheit, mithin als Machtverlust
auffaßt. Dies um
so mehr, als konstant vorgetragene gegenteilige Auffassungen zu
einer Verhärtung des Standpunktes beigetragen haben. 27.
Wenn man „Roma“ als Sammelbezeichnung verstanden
wissen will, wie es manchmal geschieht, dann macht das Konstrukt „Sinti und
Roma“ keinen großen Sinn mehr, da ja in dem Fall unter „Roma“ ohnehin alle
Zigeunergruppen fallen. Diejenigen, die den Begriff „Zigeuner“ bekämpfen,
sollten sich also zumindest einmal einigen bzw. eine klare Linie finden, was
denn nun auf ihren Fahnen stehen soll; ansonsten bleibt ihre Position allein
schon aus diesem Grunde fragwürdig. 28.
Wenn man „Roma“ synonym zu „Zigeuner“ gebraucht,
so muß man fast jedes Mal hinzufügen, ob man den
Begriff im engeren (manchmal als: „Rom-Zigeuner“) oder weiteren Sinn (als
allumfassende Sammelbezeichnung) verwendet – ein wenig praktisches Verfahren. 29.
Wenn man es mit Sinti zu tun hat, kann man von
Sinti sprechen, weiß man, daß es um Roma geht, kann
man von Roma sprechen, meint man beide bzw. weiß man um die Unterschiede,
kann die Bezeichnung Zigeuner gewählt werden oder selbst „Sinti und Roma“,
wenn man eben ausdrücklich diese beiden Gruppen meint und nicht etwa alle
Zigeuner. Da eben nicht jedermann die Unterschiede kennt, sollte man bei dem
vertrauten „Zigeuner“ bleiben (können) und sich nicht darum scheren, daß man von gewissen Kreisen in die Nähe von Rassisten
und Nazis gerückt wird. 30.
Wenn verschiedene Vereine die Begriffe „Sinti und
Roma“ im Namen tragen, so ist das nicht selten „Etiquettenschwindel“,
da es ihnen doch meist nur um eine Gruppe geht bzw. einzelne Mitglieder der
anderen Gruppe(n) bestenfalls als „Alibi“ oder „Vorzeige-...“ benutzt werden.
Die traditionellen Vorbehalte einer Zigeunergruppe gegenüber einer anderen
spielen hierbei immer noch eine Rolle. 31.
Schon
kurz nach dem Krieg (1946) ist in München ein „Komitee Deutscher
Zigeuner" gegründet worden. 1958 hatten einige Zigeuner (wie es scheint, Lovara), vor allem Walter Strauß, Wilhelm und Johannes Weiß ein „Zentralkomitee der Zigeuner“ gegründet. 1968 hatte ein Rom, Rudolf Karway, in Hamburg eine „Internationale
Zigeunerrechtskommission“ gegründet. Wilhelm Weiß (s.o.) hat 1973 das
„Zentralkomitee“ als „Zigeuner International e.V.“ wiederbelebt. Die Sintizza Theresia Seible hatte Ende der 1970er/ Anfang der 80er Jahre einen Frauenverein unter dem Namen „Comitée der Zigeuner“ gegründet. 1979 ist in Bremen zunächst von Nicht-Zigeunern der „Verein zur Durchsetzung der Rechte der Zigeuner in der Stadtgemeinde Bremen e.V.“ gegründet worden, in dessen Vorstand auch bald Sinti (u.a. Ewald Hanstein) aufgenommen wurden. Um 1980 gab es einen „Verbandes der Zigeuner Niedersachsen e.V.“ Diese Beispiele, allesamt dem Alptraum der NS-Diktatur zeitnaher als etwa die Etablierung des „Zentralrates“, zeigen, daß die Gründer offenbar nicht von dem Gedanken „beseelt“ waren, daß der Begriff „Zigeuner“ durch die Nazis diskreditiert wäre bzw. eine diskriminierende Bezeichnung darstellte. Tatsächlich wird man eben bei genauerem
Hinsehen feststellen, daß die Sprachregelung „Sinti
und Roma“ hauptsächlich von Nicht-Zigeunern ausging bzw. von Gadsche-Kreisen maßgeblich „unters Volk“ gebracht worden
ist. Eine bei diesen „Korrektheitsfanatikern“ festzustellende Intoleranz ist
ohnehin den Zigeunern weitgehend fremd (gewesen). Das haben einige
Funktionäre erst später von den Gadsche übernommen. 32.
Es ist offensichtlich, daß
etwa seit Anfang der 1980er Jahre interessierte Kreise begonnen haben, den
Begriff systematisch schlecht zu reden, um dann immer wieder feststellen zu
können, wie schlimm diese Bezeichnung doch wäre. Die Gesellschaft für
bedrohte Völker (Göttingen), die maßgeblich bei der Gründung des
„Zentralrates“ mitgewirkt hat, schrieb noch 1979: „Wer sich an der
Zigeunerarbeit der GfbV beteiligen möchte, wende
sich an die GfbV, ...“ (in: Pogrom, 10.Jg.,
Nr.61 vom März/ April 1979, S.2) oder: von „Bürgerrechtsbewegung für
Zigeuner“ (in: Pogrom, 10.Jg., Nr.65 vom Juli-Sept. 1979, S.4). Der
Erzbischof von Köln hatte sich anläßlich einer
Pilgerfahrt von Zigeunern zum Kölner Domjubiläum im September 1980, an der
vor allem Sinti teilnahmen, an diese mit den Worten „Meine lieben Zigeuner“
gewandt. Auch diese Beispiele zeigen, daß zu der
Zeit der Begriff durchaus nicht so „schlecht“ war bzw. gesehen wurde, wie
heutzutage immer wieder von verschiedenen Seiten behauptet wird, was sich
somit als „Falschspielerei“ erweist. 33.
Wollte man fragen, mit welchem Begriff denn bei
den jeweiligen Mehrheitsbevölkerungen mehr positive Konnotationen verbunden
werden, würde man vermutlich feststellen, daß dies
eher bei „Zigeuner“ der Fall ist, denn bei „Roma“. Mit letzterem Begriff
scheint überwiegend Armut, Elend und Bettelei assoziiert zu werden. Die
positiven Konnotationen von „Zigeuner“ sind bekannt. 34.
Wenn in historischen Dokumenten von Zigeunern die
Rede ist, kann man nicht im Nachhinein hingehen und sie etwa zu Sinti, zu
Roma oder zu „Sinti und Roma“ erklären. Wenn keine weiteren Anhaltspunkte zu
finden sind, die eine Zuordnung möglich machen, muß
es bei „Zigeuner“ bleiben, zumal auch nichtzigeunerische Gruppen wie etwa die
Jenischen vielfach als Zigeuner bezeichnet bzw.
angesehen werden. 35.
Wenn manche Schreiber zwar den Begriff „Zigeuner“
benutzen, ihn jedoch in Anführungszeichen setzen, so mag man solch ein
Verfahren einerseits als Ausdruck einer erkannten Notwendigkeit zur
Verwendung des Begriffes sehen, gleichzeitig wird jedoch darin auch eine
Furcht vor sprachlichen/ politischen Tugendwächtern deutlich. 36.
Es wird wohl niemand, etwa unter den Sinti, behaupten
können, daß deren Bezeichnung für Nicht-Zigeuner – Gadsche oder Chale – frei von
negativen Assoziationen bzw. Konnotationen wäre. Wenn sie deutsch schreiben
oder sprechen, wird die Bezeichnung mit „Knechte“ wiedergegeben (also nicht
einmal „Bauer“). Sollten jetzt die Gadsche auf die
Barrikaden gehen und die „Ächtung“ dieser Benennung (als „Fremdbezeichnung“) fordern ? Auf zum Kulturkampf ? 37.
In manchen konservativen oder rechtslastigen
Kreisen wird ebenfalls für die Beibehaltung des Begriffs „Zigeuner“ plädiert
und gegen den Versuch einer Sprachregelung polemisiert. Die grundsätzliche
Distanz zu solchen Gruppen kann jedoch kein Grund sein, von einer gewonnenen
Einsicht Abstand zu nehmen und deshalb den Begriff nicht zu verwenden. 38.
Es ist durchaus zu beobachten, daß
Leute, die mittels moralischer Keule gezwungen werden sollen, eine
jahrhundertealte Bezeichnung, mit der sie etwas anfangen können, gegen eine
neue Bezeichnung einzutauschen, die sie nicht recht verstehen, daß solche Leute eine noch größere Abneigung gegenüber
Zigeunern entwickeln, als sie ohnehin schon haben. 39.
Übrigens: der/ die wahrhaft politisch Korrekte
wird nicht umhinkommen, von „Sinti/ Sintizzi/ Roma/
Romnija“ zu reden und zu schreiben, ansonsten
gibt’s Krach mit Alice und all die anderen. Aber vielleicht sind diese ja
auch mit „ZigeunerInnen“ oder „Zigeunerinnen und
Zigeuner“ zufrieden. Inzwischen
ist dieser „Warnhinweis“ schon überholt (oder ist „beherzigt“ worden?), indem
manch eine(r) die Kurve zu einem „Romn_ja und Sint_ezze“,
„Sint*ezze und Rom*nja“, „Rom:nja und Sinti:ze“ oder gar als neueste „Errungenschaft“ der
Sprachakrobatik „Roma*Romnija und Sinti*Sint*izze“ geschafft hat. Auch „
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~~ Bilddokumente zum Thema
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Grabstein eines Rom (offenbar Kelderari) auf einem Frechener
Friedhof |
Grabstein einer Romni
(offenbar Kelderarka) auf einem Kölner Friedhof (das Grab ist mittlerweile nicht mehr existent) |
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Grabstein eines Rom (offenbar Kelderari) auf einem Frechener
Friedhof |
Grabstein eines Roma-Ehepaares (Kelderara) auf einem Mönchengladbacher Friedhof |
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Grabstein
eines Sinto auf einem Koblenzer Friedhof. |
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Genossenschaft
fahrendes Zigeuner - Kultur - Zentrum |
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Sowohl von Sinti als auch von Roma genutzte Internetseite mit Foren und
Chats. |
Eine interessante Einrichtung von
„Fahrenden“ In
der Schweiz, die u.a. „Zigeunerkulturwochen“ durchführen. Internetseite: http://www.8ung.at/zigeuner/zigeunerkulturzentrum/ Jetzt: https://www.zigeunerkultur.org/ (Aufruf am 13.4.2021) |
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Zwei cover von CD’s
bekannter deutscher Sinti-Musiker bzw. Musikgruppen. Weder die (wahrscheinlich)
Nichtzigeuner, die diese CD-Reihe auf den Markt gebracht haben, noch die ja
nicht unbekannten Musiker dürften von einer
diskriminierenden, abwertenden Bedeutung des Begriffes „Zigeuner“ ausgegangen
sein, als sie diese CD’s
produzierten. |
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Der Kölner Sinto Markus
Reinhardt hat sich nicht nur in dieser Kath. Pfarrzeitschrift („Umbruch“,
Nr.14/ Winter 2012, Köln) als „Zigeuner“ präsentiert (siehe auch
unten). |
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Eine CD zum Andenken und
zur Ehre aller verfolgten Zigeuner zu veröffentlichen und das gleichzeitig in dem Bewußtsein zu tun, einen diskriminierenden Begriff zu
verwenden, dies ist kaum denkbar. |
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Es ist kaum denkbar, daß
ein Sinto ein Buch über sich schreiben läßt und
seiner Titulierung als Zigeuner zustimmen würde, wenn er diese
Bezeichnung als abwertend auffaßte. |
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Die Angehörige der bekannten österreichische Lovara-Familie
Stojka hat keine Probleme damit, „Zigeunerin“ zu sein (1988). |
Auch der Bruder von Ceija
Stojka, Karl, spricht und schreibt von „Zigeunern“ und bezeichnet sich auch so. (Wien 1994) |
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Der Aktivist Mustafa Aksu, selbst Zigeuner, hat seinem Buch den Titel gegeben: „Zigeuner sein in der Türkei“ (3.Aufl. Ankara 2009) |
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Die nicht mehr
erscheinende Zeitschrift „Interface“ erschien in drei Sprachen. Wie die
Kollage der Untertitel in Frz., Engl. und Dt. zeigt,
ist die Frage der „politischen Korrektheit“ vor allem
ein deutsches „Problem“: Was im Französischen und
Englischen „Tsiganes“ und „Gypsies“ sind,
wird im deutschen Untertitel
zu „Sinti und Roma“. |
Wie in manchen anderen Publikationen
auch, „übersetzt“ man im deutschen Titel
„Zigeuner“ (hier im Polnischen „Cygan“)
mit „Sinti und Roma“ – „typisch deutsch“! Dies zeigt auch, daß das (vorgeschobene) Argument, man müsse doch die Eigenbezeichnung verwenden, in
anderen Ländern keine/ kaum eine Rolle spielt. |
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Zitate von Sinti aus diesem 2014 Erschienenen Buch
finden sich weiter unten auf dieser Seite. |
Die in Norwegen lebende Romni Solomia Karoli schrieb ihre Biographie (Oslo 2009) mit dem Titel „„„Tochter des Zigeunerkönigs“. Ein Zitat aus dem Buch kann man weiter unten auf dieser Seite lesen. |
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Als geradezu
geschäftsschädigend müßte es aufgefaßt werden, für
ein Produkt mit einem derart
„negativ“ belasteten Begriff zu
werben. Im übrigen
zeigt das Beispiel, daß der Begriff „Zigeuner“
noch weit davon entfernt ist, außer
Gebrauch zu kommen. Obgleich dies
immer wieder von interessierten Kreisen behauptet wird, sammeln die gleichen „Antiziganistizisten“
solche Beispiele, um „Zigeuner-Klischees“ und einen weit verbreiteten „Antiziganismus“
in der Gesellschaft u.a. damit zu belegen. |
Auch dieses Beispiel zeigt, daß im alltäglichen „deutschen Leben“ „Zigeuner“ noch immer ihren Sitz haben, so wie „Russische
Eier“, „Wiener Würstchen“, „Bayrisch-Blau“,
„serbische Bohnesuppe“, „ungarischer Gulasch“ u.ä. Aus anderen Sprachen ließen sich
ähnliche Beispiele anführen. Mit solchen Bezeichnungen wird Positives
verbunden; warum sollte man dies
„ausmerzen“ wollen, wie es z.B. die österreichische
Initiative „SOS Mitmensch“ versucht? |
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Nicht wegzudenken bzw.
wegzudiskutieren auch dieses Produkt. Der Kölner Rom e.V. meint zu
dergleichen: „Ja, es handelt sich aus unserer
Sicht um absurde, groteske, lächerliche,
manchmal nur putzige, dann wieder ausgesprochene hirnrissige Bearbeitungen
der bekannten tausendfach abgedroschenen Zigeuner-Klischees.“ (in: Nevipe, N.F. 1/2013, S.33) Sollen sich die Hersteller dessen
schämen oder etwa die Zigeuner? Oder sollte sich der, dem es schmeckt, Bauchschmerzen als Strafe für seine völlig unkorrekte, „absurde“ Essensvorliebe einhandeln? Oder wären auch Sondergenehmigungen denkbar für die Konsumenten, die nicht ohne können? Inzwischen sind verschiedene
Lebensmittel- firmen dem Druck der Meinungsdiktatoren erlegen und haben "Zigeuner"
aus ihren Produktbezeichnungen verbannt. Das ist eben der Unterschied zwischen Wirbelsäule und Rückgrat - eine Wirbelsäule hat jeder. |
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Emblem der türkischen Webseite http://www.cingeneyiz.org/ (08.04.2007) „Çingeneyiz“
bedeutet: „Wir sind Zigeuner“. Man setzt sich damit bewußt
von der seit einigen Jahren von außen „unters Volk“ gebrachten Neologie
„Romanlar“ anstelle der alten und verbreiteten Bezeichnung „Çingeneler“
ab. Die Aussage des Mädchens „Ben bir Çingeneyim“ lautet übersetzt: „Ich bin eine
Zigeunerin“. |
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Die Neuenburger
„Zigeunerclique“ veranstaltete zum wiederholten Male einen
„Zigeunerball“ und niemand dort hat damit Probleme –
solange keine Antiziganistizisten
aufkreuzen. |
Auch im österreichischen Mitterkirchen hat man Die künstlich erzeugten Probleme nicht –
einem Harri Stojka
zum Trotz. |
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Seit 1965 gibt es den
Köln-Ehrenfelder Karnevalsverein "Ihrefelder
Zigeuner". Im Zuge der
gegenwärtigen Hetzjagd (am Ort waren es
die Kölner Jusos) gegen alles, was sich nicht dem Sprachdiktat der vorgeblichen
"Antirassisten" unterwerfen wollen, ist auch dieser Karnevalsverein
wegen seines Namens angegriffen worden. Kölner Sinti haben dem
widersprochen und sich hinter den Verein und seinen Namen gestellt: Ein
entsprechender Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger ist offenbar nicht mehr
online: (Aufruf am 13.4.2021) |
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Dieses
Zigeuner-Musikfestival ist von Sinti maßgeblich mitorganisiert worden und bewußt
unter nämlichen Titel gestellt worden.
Einige teilnehmende Gruppen bezeichnen ihre Musik explizit als Zigeuner- oder Gypsy-Musik. Der Kölner Verein Rom e.V. (geleitet von
Nicht- Zigeunern) hielt es jedoch für
angebracht, gegen den Namen des Festivals zu protestieren
– und ließ gleichzeitig seinen Jugendchor dort
auftreten. Dieses widersprüchliche Verhalten wurde
so begründet (Rund-email vom 5.6.2012): „Wir nehmen trotz dieser Bedenken an
diesem Festival teil und hoffen, dass ein Diskussionsprozess
in Gang kommt, der es auch denjenigen
Roma und Sinti ermöglicht in Zukunft
teilzunehmen, die Bezeichnung ‚Zigeuner’ für sich
ablehnen.“ [sic!] Der angeblich erhoffte Diskussionsprozeß läuft seit Jahren und hat für Kreise wie dem
Rom e.V. lediglich das Ziel, daß
fortan alle Zigeuner „Roma“ genannt werden müssen und sie
sich auch selbst so zu bezeichnen haben. Dazu
braucht man allerdings dann keine Diskussion
mehr – ein „Basta“ würde die Sachlage eher
treffen. Es kann wohl auch mit großer
Wahrscheinlichkeit behauptet werden, daß
kein Kölner Zigeuner allein wegen des Namens nicht an dem
Festival teilgenommen hätte – anders als mit
obiger Aussage suggeriert wird. Tatsächlich
haben es sich nicht nur mindestens drei der
auf dem glänzenden Handzettel rechts als
„Zigeuner- Gegner“ aufgeführten Roma nehmen lassen,
das Festival zu besuchen, auch weitere
Roma, die dem Rom e.V. verbunden sind, waren anwesend. Die obige Aussage läßt sich demnach kaum anders deuten als eine
Täuschung der Öffentlichkeit. Die Aggressivität, mit der der Verein
seit ein paar Monaten seine
Weltsicht verbreitet, läßt vermuten, daß er sein Meinungsmonopol in Köln zunehmend infrage
gestellt sieht. Dazu: http://www.ksta.de/koeln/interview--zigeuner---eine-art-zu-leben-,15187530,16308676.html (Aufruf am 13.7.2012) |
Der Chefideologe des
Vereins hatte es sich nicht nehmen lassen, das „Dokument“,
das die „Abartigkeit“ des
Festivalnamens „belegen“ sollte, persönlich unters
Volk zu bringen – schließlich muß Kultur seine politische Richtigkeit haben und der
Festivalbesucher wissen, wie er das
Ereignis zu verstehen hat, sonst könnte er ja auf
falsche Gedanken kommen und vom rechten
Glauben abfallen. Offensichtlich ist den Initiatoren bzw.
den Vorzeige-Roma der Propagandaaktion nicht
der Unterschied zwischen „Wir sind Roma ... und keine
‚Zigeuner’!“ und „Wir wollen nicht ‚Zigeuner’ genannt
werden!“ bzw. „Wir nennen uns ‚Roma’, nicht
‚Zigeuner’“ nicht klar. Ein „sowohl-als-auch“ (sprich: die
Existenz von sowohl Fremd- als auch
Eigenbezeichnungen) kommt nicht in Frage, da das den ein
Schwarz -Weiß-Denkrahmen sprengen würde. Bei sicherlich der zehnfach größeren
Gruppe von Roma als den vier
Roma-Intellektuellen – von denen drei im Rom e.V. ihr Geld
verdienen bzw. verdient haben – die den Verein
aufsuchen, wird man – ohne ihnen Suggestionsfragen
stellen zu müssen – hören können, daß sie auf Deutsch von „Zigeunern“ reden. Diesen vielen
Roma, die noch nicht zur Erkenntnis der
Wahrheit gekommen sind, wird der Verein schon
noch den „rechten“ Weg weisen. „Begegnung auf Augenhöhe“ (mit „Roma“) sieht für diesen Verein also so aus, daß er Zigeunern beibringt, wie sie sich zu
benennen haben und wie nicht. – Eben ein „emanzipatorischer Ansatz“ und gleichzeitig ein Beitrag zur „Verständigung
von Roma und Nicht-Roma“ Siehe auch: |
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Auch 2017 traten wieder sowohl einige Sinti als auch Roma auf einem „Zigeunerfestival“ in Köln
auf. |
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Zum wiederholten Male haben einige Sinti
in Köln eine „Zigeunernacht“ veranstaltet. Diesmal haben sie es für nötig
befunden, mit einem auf das Plakat geklebten Zettel zu erklären, daß sie hinter dem Begriff „Zigeuner“ stehen – vielleicht
aus Sorge, daß sonst politische
Korrektheits-Aktivisten das Plakat herunterreißen könnten. Schließlich leben
wir hier in Deutschland, da kann man nicht einfach „ungestraft“ den Begriff
verwenden. |
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Es
trief nur so vor modischem Ideologie-Kram. (Aus
einer email des Rom e.V. vom 31.3.2021) |
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Der
totalitäre „Facebook-Staat“
hat sich mit seiner Zensurpolitik (Beiträge löschen und Kontosperrungen) ohne
Sinn und Verstand zum Handlanger von Meinungsdiktatoren gemacht - und das,
faktisch ohne die Möglichkeit zu einer
Rechtfertigung zuzulassen. |
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Die
Facebook-Zensur wird immer abstruser; man könnte meinen, in Deutschland stünde die Verwendung
des Begriffs Zigeuner schon unter Strafe. Bei
der neuerlichen Fb-Zensur handelt es lediglich um
die Richtigstellung eines 1928 erschienenen und geposteten Zeitungsartikels, in dem die falsche
Information gegeben wurde, daß alle Zigeuner
weltweit Romanes verstehen würden. Hinter der unsinnigen Zensur kann eigentlich
nur ein Automat stehen, der bei dem Begriff „Zigeuner“ in Aktion tritt, d.h. ohne nach dem Sinn des Kommentar zu fragen. Man
könnte sich angesichts dessen in einen Staat wie China oder Rußland versetzt fühlen. Dies
sind die Auswüchse eines in typisch deutschen Extremismuses. Ein
Satz wie „Danke für Dein
Feedback“, nachdem auch der
Einspruch abgelehnt wurde, klingt wie eine Verhöhnung. |
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Schon bevor diese Webseite
entstanden ist, hat der Verfasser u.a. wegen der Verwendung der Bezeichnung „Gypsies“ in einer Anfrage an das Internetforum Romano Liloro (Roma Network, wird von Israel aus betrieben) am
9.5.2003 folgende Reaktion eines brasilianischen Vereins bekommen (öffentlich
über die mailing list
Romano Liloro): „first we are not "gypsies", we are
ROMA ! … Please, consider change your text and be more "politically
correct".” Dieser Verein nennt sich “Uniao Cigana (Gypsy Union)” und
benutzt diese Bezeichnung auch in ihrer email-Adresse.
Ein Hinweis auf George Orwell („double-think“) mag
hier als Kommentar genügen. Immerhin mag man in der Antwort (10.5.2003) auf
die daraufhin erfolgte Erklärung des Verfassers ein gewisses Verständnis
erkennen: „Okay,
forget about it!”
Marko D. Knudsen (Direktor der RomNews-Gesellschaft <www.RomNews.com>,
Hamburg) schrieb am 8.6. (bzw. 9.6.) 2004 an das oben bereits erwähnte Roma
Network (Romano Liloro), wo diese Webseite bekannt
gemacht worden war: „This
site is not recomended !!! Some
rasist views from an non Roma, maybe he dont like be called an Nazi, but who knows
? I
will consult my lawyer, writer should be in Zu Deutsch: „Diese Seite ist nicht zu empfehlen !!! Einige rassistische Ansichten eines
Nicht-Roma; vielleicht möchte er nicht Nazi genannt werden, aber wer weiß ? Ich werde meinen Anwalt konsultieren; der Autor
dürfte in Deutschland sein.“ Dies ist alles, was Knudsen zu der
Seite bzw. zum Thema zu sagen hatte. Im Übrigen würde ich, wenn schon, dann
auf „Nicht-Sinti-und-Roma“ bestehen.
Ein Sinto, der unter seinem
Sinti-Namen Latscho Tschawo
das Buch „Die Befreiung des Latscho Tschawo – Ein Sinto-Leben in Deutschland“
(Bornheim-Merten 1984) veröffentlicht hat, behauptete doch (im Vorwort) allen
Ernstes (von sich): „Er
ist Sinto, kein Zigeuner, denn Zigeuner kommt von ‚ziehender Gauner‘.“
Der Pfälzer Sinto Romeo Franz, Musiker
und Politiker (EU-Abgeordneter) (in: Romeo Franz, / Cornelia Wilß (Hrsg.): Mare Manuscha -
Innenansichten aus Leben und Kultur der Sinti & Roma, Frankfurt/ M. 2019,
S.107 f.), der sehr wohl den Begriff „Zigeuner“ ablehnt: „Ich
denke, wir brauchen einen neuen Begriff. Ich habe diesen Doppelbegriff 'Sinti
und Roma' immer kritisch gesehen. Das ist eine Ethnisierung,
die falsch ist. Wir sind als Sinti eigenständig, auch Roma sind nicht
homogen. Du kannst die spanischen Calé nicht mit
den rumänischen Roma oder die französischen Manouche
nicht mit den in Finnland oder Schweden lebenden oder den Ex-Jugos
vergleichen. Darum habe ich lange nach einem Begriff gesucht, mit dem ich
umgehen und das Ganze auf eine andere Stufe stellen kann. Als ich im Mai auf
meinen Reisen in Europa mit unseren Menschen gesprochen habe, habe ich
bewusst gefragt: 'Hal du Romno?' Jeder hat das
verstanden. Darin erkenne ich mich.“ Man muß
allerdings sagen, daß Romeo Franz im Sinti-Dialekt
gefragt hat; „Romno“ meint „Romani“ in den meisten
Dialekten. Romani Rose heißt auch nicht „Romno
Rose“.
Der Sänger und Songwriter Romeo Gitano (Romano Hanstein),
dessen Vater der nicht unbekannte Bremer Sinto Ewald Hanstein
war, äußerte sich zu dem Begriff (in: Romeo Franz, / Cornelia Wilß (Hrsg.): Mare Manuscha -
Innenansichten aus Leben und Kultur der Sinti & Roma, Frankfurt/ M. 2019,
S.106): „Ich
hasse das Wort und würde mich niemals als 'Zigeuner' betiteln. Aber er hilft
dabei, geduldig zu erklären, wer unsere Menschen sind.“
Die Redaktion von „pogrom“, der Zeitschrift der „Gesellschaft für bedrohte
Völker e.V.“ schrieb in einer Vorbemerkung zu einem Beitrag von Donald Kenrick: „Die
überwiegende Mehrzahl der Roma in Deutschland
bezeichnet sich seit Ankunft ihrer Vorfahren um 1400 als (deutsche) Sinti. Wird im Rahmen der heutigen
Bürgerrechtsarbeit von deutschen Sinti
gesprochen, sind auch alle in der Bundesrepublik lebenden Rom gemeint, deren Urgroßeltern schon im 19.
Jahrhundert hierher zuwanderten oder deren Familien in den Nachkriegsjahren
wie andere Deutsche und Osteuropäer in die Bundesrepublik flüchteten oder
vertrieben wurden. Das Wort Zigeuner
wird von Sinti und Roma mit Diskriminierung verbunden. Gerade deshalb wird es
aber bei der Beschreibung der rassischen Verfolgung während des Dritten
Reiches weiter verwendet.“ (Sinti und Roma im
ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 27. Oktober 1979 – eine Dokumentation der
‚Gesellschaft für bedrohte Völker‘ und des ‚Verbands deutscher Sinti‘,
Göttingen 1980, S.145) Wenn man eine solche Verwirrung
stiftet, darf man sich nicht wundern, wenn das „gemeine Volk“ mit der neuen
Begrifflichkeit noch nichts Rechtes anzufangen weiß. Man kann vermuten, daß „Roma“ hier als Sammelbezeichnung für alle Zigeuner
verwendet wird, mit Rom jedoch nur bestimmte Gruppen, möglicherweise die Roma
im eigentlichen, engeren Sinne. Daß eine solche Äußerung
Sinti in Deutschland auf die Palme bringt, die eben nicht als Roma bezeichnet
werden wollen, scheint man seinerzeit noch nicht (vielleicht auch heute nicht)
registriert zu haben. In der gleichen Publikation spricht
übrigens Tilman Zülch, der Vorsitzende jener Gesellschaft, in seiner Rede
immer wieder von „Zigeunern“, und das nicht nur im Zusammenhang mit der
Verfolgung in der NS-Zeit.
Die Schriftstellerin Luise Rinser
erhebt gleich zu Beginn ihres Buches „Wer wirft den Stein? -
Zigeuner sein in Deutschland, eine Anklage“ (Stuttgart 1985, S.7) den
moralischen Zeigefinger und führt aus: „Zigeuner
ist ein negativ besetzter Begriff, den wir nicht mehr gebrauchen sollten. Das
Volk, das wir so bezeichnen, heißt Roma . ... Wenn
ich Roma sage, so meine ich das ganze Volk der Roma, wo immer es auch lebt.
Wenn ich Sinti sage, so spreche ich von jenen Roma, die Deutsche sind wie wir
andern Deutschen auch.“ - und
demonstriert dabei gleichzeitig ihre Ignoranz. Sachlich unrichtig, neben der Gleichsetzung
von Zigeunern und Roma, ist hier, daß Rinser
Zigeuner mit deutscher Staatsangehörigkeit automatisch zu Sinti macht,
obgleich es doch auch nicht wenige ‚deutsche’ Roma gibt.
Der
Historiker Ludwig Eiber (in: „Ich wußte, es wird schlimm.“ – Die Verfolgung der Sinti und
Roma in München 1933-1945, München 1993, S.10): „Die Ende der 70er Jahre erstarkende Bürgerrechtsbewegung
verwendete mit den Begriffen Sinti (auch ‚Cinti’)
und ‚Roma’ die Eigenbezeichnungen der beiden in der Bundesrepublik lebenden
Hauptgruppen. Diese Namen haben sich inzwischen weitgehend durchgesetzt,
wenngleich in Bayern lebende Sinti sich noch heute ‚Zigeuner’ nennen. In
dieser Dokumentation werden die
Bezeichnungen ‚Sinti’ und ‚Roma’ übernommen, da das Wort ‚Zigeuner’ durch den
Sprachgebrauch unter dem NS-Regime und durch massive Vorurteile negativ
belastet ist.“ Es
wird nicht erklärt, in welcher Weise der Begriff „Zigeuner“ durch das
NS-Regime negativer belastet worden sei, als das vorher der Fall war. Es ist
auch nicht der Begriff an sich, der von Vorurteile behaftet wäre, sondern es
sich die Menschen, die hinter diesem Begriff stehen. D.h. durch einfache
Umbenennung können Vorurteile nicht beseitigt werden. Obwohl
Eiber konstatieren muß, daß die (Masse der) Sinti in Bayern sich selbst
„Zigeuner“ nennt (wenn sie Deutsch sprechen), setzt er sich jedoch über diese
Einsicht hinweg – wem auch immer damit dienend.
Die
Behauptung, „Sinti-und-Roma“ hätte sich weitgehend durchgesetzt, wird durch
die folgende Feststellung der Erfahrung in einer Schule in Sachsen-Anhalt
widerlegt: „Viele der Schüler
erzählten, dass sie sich zuerst nichts unter den Begriffen Sinti und Roma
vorstellen konnten. Erst als Frauke Sonnenburg das politisch inkorrekte Wort
‚Zigeuner’, das leider auch heute noch häufig verwendet wird, in den Raum
warf, war den Jungen und Mädchen klar, wer gemeint ist.“ (Aufruf vom 13.3.2012)
Der
niederländische Kulturwissenschaftler Huub van Baar
(in: „Memorial work in progress“,
City – analysis of urban trends, culture, theory, poliy, action, vol.14. no.6 (Dec.2010), S.653-657, ebd., S.657): “I use the term ‘Roma’ and its
adjective ‘Romani’ to indicate all the different groups, which are often
called ‘Gypsies’ in the English speaking regions. Hence, by referring to the
Roma, I often implicitly refer to the Sinti and
other Gypsy groups who prefer to be distinguished from the Roma.” Zu Deutsch: „Ich verwende den Terminus ‘Roma’ und sein Adjektiv ‘Romani’,
um all die verschiedenen Gruppen zu bezeichnen, die in Englisch-sprachigen
Gegenden ‚Gypsies’ genannt werden. Wenn ich von
Roma spreche, dann meine ich häufig auch die Sinti und andere
Zigeunergruppen, die von den Roma unterschieden werden wollen.“ Der
Niederländer ist sich also bewußt, daß sich nicht alle Zigeunergruppen als „Roma“ bezeichnet
wissen wollen – und tut es trotzdem. Und auch er kommt nicht um den Begriff
„Zigeuner“ als Sammelbezeichnung herum; möglich ohne sich dessen bewußt zu sein.
Ähnlich
wie die beiden oben genannten Autoren drücken sich Bettina Bab und Erhard
Stang in ihrem Aufsatz „’Aufenthalt hat hier keine derartige Familie genommen
...’“ (in: Bonner Geschichtswerkstatt [Hrsg.]: „Es treibt mich die Nötigung
des Lebens...“ – Fremde in Bonn. Ein historisches Lesebuch, Bonn o.J.,
S.82-91, ebd. S.91) aus: „Die Bezeichnung Sinti und Roma hat inzwischen im
deutschsprachigen Raum weitgehend den als diskriminierend empfundenen Begriff
Zigeuner ersetzt; die VerfasserInnen folgen dieser
Praxis, auch wenn diese Bezeichnung manchmal nicht ganz korrekt ist.“ Hier
wird erneut deutlich, daß „politisch korrekt“
sachlich durchaus inkorrekt sein kann und in diesem Falle ist. Dennoch
gewinnt bei den beiden Autoren offenbar die Furcht vor „Diskriminierung“ die
Oberhand gegenüber der Einsicht in die Realitäten. So ist es wohl in vielen
Publikationen: man ist sich zwar bewußt, daß „Sinti-und-Roma“ kein Ersatz oder Synomym
für „Zigeuner“ sein kann – Bab und Stang benutzen denn auch im Text
„Zigeuner“ in Anführungszeichen – will jedoch Auseinandersetzungen mit den
passionierten Gutmenschen aus dem Wege gehen.
Welch
einen Unsinn die „politische Korrektheit“ hervorgebracht hat, demonstrieren
die folgenden Beispiele aus der Tageszeitung taz: „...Gitanos, wie Sinti und Roma in
Spanien heißen ...“ (Reiner
Wandler in der taz vom 8.5.1995, S.17 und fast gleichlautend in der taz vom
15.1.1996) Der
gleiche Autor in einem anderen Artikel (taz vom 5.5.1997, S.11): „Eine von der katholischen Kirche seit Jahrhunderten
vernachlässigte Gruppe, die Sinti und Roma, haben seit gestern ihren ersten
kirchlich anerkannten Märtyrer, den Spanier Ceferino Jimenez Malla. ... Gitanos, wie Sinti
und Roma in Spanien heißen. ...“ Und
als Höhepunkt der taz’schen politischen
Korrektheitsmanie eine Berichtigung in der taz vom 3.2.1999, S.15: „In unserer gestrigen Kritik zum Film ‚Schwarze Katze, weißer
Kater’ von Emir Kusturica war wiederholt von den Sinti die Rede.
Richtigerweise und neutraler hätte es aber Roma heißen sollen, weil der
Begriff Sinti ausschließlich Roma mit deutscher Staatsangehörigkeit bezeichnet.“ Alles
klar?
Auch
der Autor Manuel Meyer schrieb in der Wochenzeitung Jungle
World vom 28.6.2000 (Nr.27) von einem „Roma-Viertel“ im südspanischen Almorad, obgleich ganz offensichtlich Gitanos
gemeint waren. http://jungle-world.com/artikel/2000/26/27517.html (Aufruf vom 8.2.2015)
Eine
Referentin (ausgerechnet eine Ethnologin) aus der Behörde der damaligen
Bundesintegrationsbeauftragten Marieluise Beck leistete sich im Jahre 2004
den „politisch korrekten“ Klops, indem sie einen großen Verlag aufforderte,
eine CD „Aufklärung für Kinder“ nicht weiter zu verbreiten, weil dort ein
Beitrag des jüdischen Schriftstellers Walter Benjamin über „Zigeuner“
Vorurteilen verbreiten würde. (Henryk
R.Broder: Praktikantin contra Benjamin, in: Der
Spiegel, Nr.18, vom 26.4.2004, S.182).
In einem Leserbrief vom 20.3.2015 zu einem Artikel in der
Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) hat der Online-Moderator offensichtlich
das dort mehrfach verwendete Wort „Zigeuner“ durch „********“ ersetzt,
obgleich ein diskriminierender Gebrauch darin nicht erkennbar ist – ein
Beispiel dafür, welche Formen die „politisch korrekte“ Zensur in Deutschland
schon angenommen hat: http://www.derwesten.de/region/niederrhein/mit-anderen-augen-aimp-id10478476.html
(Aufruf
vom 25.5.2015)
Alles
andere als „korrekt“ ist auch die Bezeichnung der aus Barcelona stammenden
Künstlerin Lita Cabellut
als Sinti-Malerin, wie geschehen im Mannheimer Morgen vom 13.11.2009. Lita Cabellut, die sich auf
ihrer Webseite als „Gypsy“ bezeichnet, ist eine
Gitana, wie die gleiche Zeitung noch am 27.10.2008 geschrieben hatte.
Möglicherweise hat die Sinti-Präsenz in Mannheim in Form des RomnoKher dazu verleitet, nun Zigeuner, gleich welcher Gruppe,
als Sinti zu bezeichnen. Mit „Zigeuner“ wäre dieser Fehlgriff nicht passiert: http://www.morgenweb.de/mannheim/mannheim-stadt/dialog-zwischen-den-religionen-1.385590 (Aufruf vom 17.4.2012)
In
einer genetischen Untersuchung mit portugiesischen und spanischen Gitanos (Calé) bezeichnen
Isabel Mendizabal u.a. („Reconstructing
the Indian Origin and Dispersal of the European Roma: A Maternal Genetic Perspective“, in: PLoS ONE [e-journal], vol.6,
no.1 [Jan. 2011], S.1-10, ebd. S.2) die untersuchten Zigeunergruppen als
„Roma“, und das obwohl sie feststellen mußten, daß: „All the individuals self-declared as ‚ciganos/ gitanos’ ( Mit
anderen Worten: Wer Roma sind und wie Zigeuner zu bezeichnen sind, bestimmen
Nicht-Zigeuner.
Im
„Volksblatt Berlin“ hat ein Hugo Barmettler am 8.7.1986 („Der Schock sitzt
tief“) ebenfalls mehr für Verwirrung als für Aufklärung gesorgt: „Der Schock über die einstige Behandlung von Sinti- und
Roma-Kindern in der Schweiz sitzt tief. ... Jenische,
wie Zigeuner in der Schweiz heißen, ...“
Für Erheiterung und gleichzeitig Verärgerung
sorgte im Sommerloch 2013 der in Hannover ansässige Verein „Forum für Sinti
und Roma“, als er Lebensmittelhersteller aufforderte, Zigeunersaucen und
ähnlich anstößige „Futteralien“ umzubenennen. Zwei dieses Ansinnen
unterstützende Hannoveraner Rechtsanwälte haben sich gleich mit lächerlich
gemacht. Dies sorgte in vielen Online-Foren
von Zeitungen u.ä. für erregte Diskussionen, die
deutlich machten, wie viel Schaden ideologisches Quacksalbertum
für die Zigeuner in diesem Lande mit derartigen Aus- bzw. Mißgeburten
anrichten kann und daß die breitere Öffentlichkeit
offenbar nicht bereit ist, sich unsinnige Sprachregelungen vorschreiben zu
lassen. Immerhin hat der stellvertretende
Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma, Silvio Peritore, in einem Interview die Lächerlichkeit des
Ansinnens des Regado Rose und seines Vereins in
Hannover anerkannt. Allerdings ist Peritore nicht
ehrlich, wenn er behauptet, der Zentralrat hätte sich nicht als „Wortpolizei“
betätigt.
Den in der Presse immer wieder
anzutreffenden Unsinn von dem Volk der „Sinti und Roma“ befördert auch der
„Niedersächsische Verband Deutscher Sinti e.V.“ (Hannover) noch, wenn er
schreibt: „Die
Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma konnte schließlich durchsetzen, dass
die Eigenbe-zeichnung „Sinti und Roma“ verwendet
wird.“ http://www.sinti-niedersachsen.de/sintiundroma (Aufruf vom 13.12.2014) Wann war denn jemals
„Sinti und Roma“ die Eigenbezeichnung? Entweder war oder ist es Roma oder
Sinti, aber nicht „Sinti und Roma“. Offenbar ist sich dieser Landesverband
gar nicht bewußt, was er hier eigentlich verkündet
– abgesehen davon, daß wohl kaum eines seiner
Sinti-Mitglieder mit Roma identifiziert werden will. Das „Durchsetzen“ würde
auch noch eine eingehendere Betrachtung verdienen.
Der Hauptmatador der
Roma-Vereins „Terno Drom
e.V.“ (Düsseldorf bzw. Erkrath), Merfin Demir, ein
aus Mazedonien stammender Rom, äußerte sich über diese Webseite und ihren
Verfasser in einem Wikipedia-Diskussionsforum zum
Eintrag „Zigeuner“ im November 2007: „Hallo, an dieser Stelle möchte ich noch mal das Herausnehmen
des Links von Benninhausen unterstützen.
Bedauerlicherweise arbeitet Herr Benninghaus mit Halbwarheiten. Auch handelt es sich bei dem Text nicht um
eine wissenschaftliche Arbeit, sondern einer Subjektive Meinungsäußerung, die
wie man erkennen wird auch eine polemische Sprache verwendet. Unverkennbar
bleibt der Versuch, die Sinti in einem negativen Bild zu rücken. Daher gehe
ich von der Zielsetzung zur Spaltung der Sinti und Roma aus. Was ich als Rom
nicht befürworten kann. Zur Qualitätssicherung von wikipedia.org ist dieser
konsequenter Schritt in jedem Falle richtig.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Zigeuner/Archiv/2007
(Aufruf vom 13.12.2014) Abgesehen von dem
Hinweis, daß er hier verschiedene Vorgänge auf Wikipedia miteinander vermischt bzw. verwechselt,
erübrigt sich weiterer Kommentar. Der Leser dieser Webseite mag sich selbst
ein Bild machen. Und: Zensur auf Wikipedia durch
verschiedene Meinungsmacher ist Gang und Gäbe und ein Wesensmerkmal dieser
„freien Enzyklopädie“.
Der aus
dem Kosovo stammende, in Berlin lebende Schauspieler Hamze Bytyci - von
Aschkali- bzw. Roma-Eltern - versteigt sich zu der Behauptung: „Man sollte einfach sagen, dass es eine entmenschlichende
Fremdbezeichnung ist. ... 'Die Z' gibt es nicht – außer als eine rassistische
Konstruktion der Dominanzgesellschaft.“ (in: https://www.zeit.de/zett/politik/2021-02/antiziganismus-rassismus-hamze-bytyci-die-letzte-instanz-deutschland
- vom 1.2.2021) Sicher, „die“ Zigeuner
gibt es nicht, wohl aber Zigeuner. Daß aber eine
Fremdbezeichnung „entmenschlichend“ sein soll, darauf muß
man erst einmal kommen. Vielleicht muß man
Schauspieler sein, um sich solch einen Unsinn leisten zu können.
Die „politische
Korrektheit“ strebt immer wieder bisher ungeahnte Höhen an, indem nun bei manchen
„Super-Gutmenschen“ von „Romn_ja und Sint_ezze“ (z.B. in dem von K.Krahl/
A.Meichsner herausgegebenen Sammelband: Viele
Kämpfe und vielleicht einige Siege. Dresden 2016) zu lesen ist oder der schon
genannte Merfin Demir von „Wir Sint*ezza und Rom*nja“ schreibt und die
(seine?) neueste „Erfindung“ zur Vermeidung des Begriffs „Zigeuner“ (Z-Wort)
erklärt: „Der Autor benutzt die abgekürzte Form des Z-Begriffs, um die
Reproduktion rassistischer Konstrukte, die mit dem
Begriff „Zigeuner“ in Verbindung stehen, auf das Minimum zu reduzieren.
Analog verfährt er auch mit anderen Postkolonialen Begriffen. “ (in:
Migazin vom 2.8.2018: http://www.migazin.de/2018/08/02/die-grundlage-unserer-gesellschaft-und-werte/) (Aufruf vom 4.8.2018)
Merfin
Demir ist allerdings nicht der einzige „antirassistischen Beifall“ Erheischende.
Eine Kristina Wermes („Das Schicksal
der Leipziger Sintifamilie Deußing“, in
der bereits genannten Publikation „Viele Kämpfe und vielleicht einige
Siege“, Dresden 2016) findet die Version " Z[...]" schick.
Ein oder eine Michael_a Wermes (in: „Kommentierte Bibliographie zum Thema Antiromaismus“, 2016) ist so vorsichtig, daß man sich fragt, ob er/ sie sich vor Angst, etwas „falsch" zu machen, überhaupt noch aus
dem Hause traut: „Triggerwarnung: Dieser Beitrag enthält pejorative
Fremdbezeichnungen, die rassistisch sind und Menschen in ihrem Wohlbefinden
einschränken können – sorry! “ Und weiter: „Da es sich hier um eine Bibliographie handelt und vor allem
auch ältere Werke mit ihrem Titel komplett genannt werden, konnte nicht auf
die Verwendung von rassistischen und pejorativen Wörtern und Bezeichnungen in
Werkstiteln verzichtet werden. Dafür und für etwaige Irritationen
entschuldige ich mich aufrichtig. Bis auf die Titel dargestellter Werke
werden zitierte pejorative Wörter die Fremdbezeichnungen enthalten jedoch wie
folgt versucht zu entschärfen: Anti[…]ismus und
Z[…]. Der_die Autor_in
ist sich bewusst, dass dies nicht unbedingt einem Idealzustand gerecht wird
... “
Der Diplom-Pädagoge
Volker Kohlschmidt (Büren-Wewelsburg) hatte mit
Realschülern das „Thema Rassismus“ im Alltag behandelt. „Dabei, so Kohlschmidt weiter, sei man auf die 'Zigeunersauce'
gestoßen, eine Bezeichnung die unbedingt geändert werden sollte. Denn
'Zigeuner' sei eine abwertende und beleidigende Bezeichnung. 'Wir sollten den
Sinti und Roma ein Stück ihrer Würde zurückgeben', appellierte Kohlschmidt.“ (in: Westfalen-Blatt vom
3.4.2019: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Paderborn/Bueren/3726363-Kirsten-John-Stucke-spricht-am-ehemaligen-KZ-Niederhagen-in-Wewelsburg-Erinnerung-braucht-einen-Ort,
Aufruf 4.4.2019) „Billiger“ geht's nicht
mit der „Rückgabe von Würde“ - zudem auch kein neuer Vorstoß von politischen
Korrektheitsfanatikern.
Die
Bundestagsabgeordnete Filiz Polat (BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN) ging in ihrer Rede
zur Einsetzung einer von der Regierung üppig finanzierten „Antiziganismus-Kommission“ im Deutschen Bundestag am
22.3.2019 auf die Verwendung des Zigeunerbegriffs durch einen Abgeordneten
der AfD ein: „Ich muss, auch in Anbetracht der zahlreichen Vertreterinnen
und Vertreter der Selbstorganisation,
zurückweisen, dass ein
Kollege im Deutschen
Bundestag hier Wörter
verwendet, die als
diskriminierend empfunden werden .
Er hat einen
Begriff verwendet, für
den die Sinti
in Zeiten des
Nationalsozialismus mit dem „Z“ gekennzeichnet wurden . Diese
Äußerungen verurteilen wir auf das Schärfste, meine Damen und Herren.“ (http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/19/19090.pdf) (Aufruf vom 5.4.2019) Der dabei den
Vorsitz führende
Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hielt es daraufhin für
notwendig, diese Angelegenheit im Ältestenrat des Parlaments zu behandeln.
Die Schleimerei in Richtung der anwesenden
Vertreter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma wurde in Polats Redebeitrag
nur allzu deutlich. Die sonst „Vielfalt“ hoch haltenden GRÜNEN (und nicht nur
sie) pflegen offenbar eine Monokultur, die lediglich die Stimme des
Zentralrates (aner)kennen will.
Als „Folge“ des deutschen
Vorsitzes in der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA) im
Jahre 2020 hat die Bundesregierung die „Arbeitsdefinition von Antiziganismus auf nationaler Ebene“ angenommen. Darin heißt es u.a.: „Der Begriff »Zigeuner« wird als
antiziganistisch bewertet, wenn er als Beleidigung verwendet wird.“ (Nach: Jüdische
Allgemeine vom 2.4.2021: https://www.juedische-allgemeine.de/politik/deutschland-nimmt-definition-fuer-antiziganismus-an/
- Aufruf vom 27.8.2023) Während also in der
„Betroffenheitsszene“, verstärkt durch
die gegenwärtige Mode, an jeder Ecke Rassismen zu „entdecken“, der Verwender
des Begriffs „Zigeuner“ schon per se als rassistisch und antiziganistisch
gebrandmarkt wird, hat es die Bundesregierung immerhin geschafft, zu
differenzieren.
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P r o
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Der Ethnologe Bernhard Streck
(Universität Leipzig), der sich seit Jahren mit verschiedenen Zigeunergruppen
beschäftigt, schrieb am 13.4.2004 an den Verfasser dieser Webseite folgende
email: „ich gratuliere Ihnen zu ihrem mutigen Plädoyer für den
altehrwürdigen Begriff Zigeuner. Soweit ich sehe, hat die seriöse Tsiganologie jene von Ihnen zu Recht als zu schwach
legitimierte Umbenennung nicht mitgemacht. Weder die Giessener Hefte für Tsiganologie noch die Leipziger Tsiganologie,
die deren Tradition weiterführt, hat sich von dem Sammelnamen verabschiedet,
zumal sie sich mit Räumen befasst, wo die beiden Teilgruppen gänzlich
unbekannt sind. Leipziger Tsiganologen sprechen von
Roma, wenn es sich nachweislich um Romani-Sprachgruppenangehörige handelt.
Bei vielen mittel- und westeuropä-ischen Zigeunern
ist das nämlich nicht der Fall, erst recht fehlt diese Sprache in den Ländern
des Vorderen Orients. Das besondere Verhältnis zur Mehrheitsbevölkerung, das
in den Termini Dienst-leistungsnomadismus oder
Peripatetiker zum Ausdruck gebracht wird, ähnelt sich aber in über-raschender
Weise auf der ganzen Welt. Das NS-Regime verfolgte in der Tat Zigeuner. Warum gereicht
dieser furchtbare Tatbestand diesem Namen nicht zur Ehre, sondern zur Exterminierung? Es geht bei diesem Namensstreit einzig um Macht, Einfluss und
Gelder. Und um ein schlechtes Gewissen bei Journalisten, die unter keinen
Umständen unkorrekt erscheinen möchten. Wissenschaft muss sich da raushalten;
ihr Ziel ist nicht Beifall oder Assistenz für bestimmte Gruppen oder
Organisationen, sondern einzig Wahrheit.“
Die beiden bulgarischen Ethnologen
und Tsiganologen (man könnte auch „Romologen“ sagen, doch das würde hierzulande kaum jemand
verstehen) Elena Marushiakova und Veselin Popov („Studii Romani“, Sofia) schrieben am 26.5.2004 in einer
email an den Verfasser: „... Wir haben Eueren Text über den Begriff Zigeuner gelesen – hat uns
sehr gefallen.“
Die Ethnologin Margit Weiler zitiert
in ihrer Dissertation (Zur Frage der Integration der Zigeuner in der
Bundesrepublik Deutschland, Köln 1979, S.198) Sinti mit ihrer Meinung zum
Zigeuner-Begriff: „Also wir
selber wir fühlen uns gar nicht beleidigt oder irgend denkt man gar nichts
Schlechtes darüber. Jetzt zum Beispiel wenn wir über die Straße laufen würden
wir jetzt Erwachsenen nicht mehr unser Kinder und einer ruft jetzt von der
anderen Straßenseite zick-zack Zigeunerpack, dann
haben die Kinder Wut und schimpfen die dann auch aus. Aber wir, wenn einer zu
mir sagt, ihr seid doch Zigeuner, dann sagen wir, ja, ja wir sind Zigeuner. -
Ist nicht jeder Mensch derselbe, einer hört es gern, der andere hört es nicht
gern.“
Reimer Gronemeyer, aus dessen Feder
zahlreiche Publikationen zum Thema Zigeuner stammen, führt die folgende
Begründung für seinen Sprachgebrauch an (aus: Reimer Gronemeyer: Kleines Plädoyer
für nicht-verwaltetes Lernen - Bemerkungen anlässlich eines Sach-verständigengesprächs, in: Frankfurter Hefte, 38.Jg.,
H.3/1983, S.9-11, ebd. S.10): „Ich
benutze den Begriff, obwohl er gegenwärtig gern durch die Begriffe Sinti und
Roma ersetzt wird. Mir persönlich erscheint die Benutzung der
Gruppennamen zudringlich. Zwar ist die Tatsache nicht von der Hand zu weisen,
daß der Begriff Zigeuner vorurteilsgeladene
Assoziationen weckt. Ich erinnere aber daran, daß
es seit den Zeiten Maria Theresias mehrere Versuche gegeben hat, den Begriff
Zigeuner zu tilgen . ... Die Versuche, den Begriff
Zigeuner zu tilgen, waren mit dem Versuch verbunden, zigeunerische
Lebensweise und Identität zu beseitigen.“
Der Historiker Thomas
Fricke schreibt in seiner Publikation (Dissertation) "Zigeuner im
Zeitalter des Absolutismus - Bilanz einer einseitigen Überlieferung. Eine
sozialgeschichtliche Untersuchung anhand südwestdeutscher Quellen" (Pfaffenweiler
1996, S.11 f.): „Erstens ist das Wort
'Zigeuner' so tief in unserem Sprachgebrauch verwurzelt, daß
dessen völlige Austilgung nicht möglich sein wird. Zweitens bietet die
Änderung des Vokabulars keinerlei Gewähr für die Überwindung von Vorurteilen.
- Daß die pejorativen Bedeutungsinhalte des Wortes
'Zigeuner' im Begriff sind, auf die neue Bezeichnung 'Sinti und Roma'
überzugehen, kann man an einzelnen Verlaut-barungen
in den Medien deutlich erkennen. Drittens wäre es Verdrängung und keine Vergangenheits-bewältigung, wenn
man das Wort 'Zigeuner' einfach ignorieren würde."
In einer email schrieb am 5.6.2004
der Jurist Oliver Jung (Regensburg) an den Verfasser: „ich wollte ihnen nur sagen, dass ich ihren internetartikel
sehr spannend und sehr erhellend fand. ... political correctness wäre eine schöne sache, wenn sie in den köpfen
und herzen stattfände, und nicht nur eine strategie,
um die beschäftigung mit der substanz
einer sache zu vermeiden. bezeichnungen alleine ändern natürlich nicht von heute auf morgen die ablehnung gegenüber einer fremden volksgruppe.
trotzdem haben sie vielleicht eine wichtige bedeutung:
als jurist sehe ich durchaus eine botschaft etwa in der veränderung
der bezeichnung "elterliche gewalt" zu "elterliche sorge".
dito "down-syndrom" statt mongoloide idiotie". schade, dass dies mit "sinti und
roma" statt "zigeuner" nicht ebenso
gelingt. im gegenteil bin ich jetzt nach ihrem artikel davon überzeugt, dass neue konfusion
und eigentlich auch neue herabwürdigung (durch ignoranz) betrieben wird. ich werde jetzt also mit neuem bewusstsein
von "zigeunern" reden.“
Der unter dem nickname
„Nomad“ agierende Moderator eines Roma-Diskussions-
und Informationsforums im Internet, ein Lovari
(Rom) aus Wien, schrieb in diesem Forum am 14.6.2004 unter der Überschrift
„Zigeuner oder nicht Zigeuner“ zum Thema: „Da wir wieder einmal das
leidige Thema haben, was nun Zigeuner bedeutet bzw. ob es ein Schimpfwort
sei, lasst Euch gesagt sein, man kann jeden Namen und jedes Wort als
Schimpfwort verwenden. Es für mich unerheblich, ob
einer statt Scheiß-Zigeuner, dann Scheiß-Roma oder Scheiß-Sinti sagt. Denen, die uns so nennen, ist
es doch egal, welches Wort dahinter steht. Ob diejenigen die sich jetzt,
über das Wort Zigeuner aufregen, dann zufriedener sind, vermag ich zu
bezweifeln. Gesetzt dem Fall, man bekommt
die Gadje dazu, nicht mehr Zigeuner zu sagen, ok
vielleicht klappt es, jedoch ist fraglich was mit den Namen zu geschehen hat,
welche bis jetzt das Wort Zigeuner beinhalteten. Wollt Ihr allen Ernstes,
dass der Zigeunerbaron in Folge Roma und Sintibaron
heißen muss ? Zigeunermusik dann Roma und Sintimusik und und und Schon allein die Tatsache,
dass der Grossteil der Alten, auf die Frage was sie
seien, antworten sie, Zigeuner und erst danach erklären ob sie Roma oder
Sinti sind, zeigt uns, dass dieses Wort kein Schimpfwort sein kann. Ja die Alten waren immer schon
schlauer als die Jungen, denn was sollten die Gadje
mit der Bezeichnung Roma und Sinti anfangen ? Versucht doch mal einem Gadjo zu erklären, was Ihr seid, ohne das Wort, Zigeuner,
zu verwenden, na seht Ihr; geht nicht und so lange das nicht geht, sind wir
eben Zigeuner.“ (unter: http://www.forumromanum.de/member/forum/forum.php?action=ubb_show&entryid= 1087245622&mainid=1087245622&USER=user_284736&threadid=2#)
Der mittlerweile verstorbene
österreichische Lovari Karl Stojka
(in: Karl Stojka/ Reinhard Pohanka:
„Auf der ganzen Welt zu Hause – Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka“, Wien 1994, S.7): „Ich
bin ein Zigeuner. Ein Rom vom Stamme der Bagaretschi.
Mein Vater war Zigeuner, meine Mutter und meine ganze Familie waren
Zigeuner."
Ein Lovari
der jüngeren Generation (Willibald, der Sohn von Ceija
Stojka), im Beiheft zum Film von Karin Berger: „Ceija Stojka – Porträt einer Romní“: „Wir sind nicht böse, daß wir Zigeuner genannt werden. Wir sind ja Zigeuner.
Ich will auch gar nichts anderes sein. Jetzt sagen sie Rom oder Roma oder
Sinti oder was weiß ich! Keiner kennt sich mehr aus.“
Der burgenländische Rom Stefan
Horvath aus Oberwart (in: Otto Reiter: „’Zigeuner
ist für mich ein Ehrentitel’ – Anmerkungen zum Special ‚Roma Reigen’“, in: filmarchiv – Mitteilungen des Filmarchiv Austria, H.46
<7-10/2007>, S.24-26, ebd. S.26): „Ich bin ein burgenländischer
Zigeuner und stolz darauf. Viele nennen sich jetzt Roma, Sinti oder
irgendwas, weil sie sich dadurch Geld und Anerkennung erhoffen. Ich bin als
Zigeuner geboren und für mich ist das ein Ehrentitel.“
Auf der von der
„Gesellschaft für bedrohte Völker“ und dem „Verband deutscher Sinti“
organisierten Gedenkkundgebung in Bergen-Belsen im Oktober 1979 sprach der
damalige Präsident der „Romani-Union“, Jan Cibula,
in seiner Rede immer wieder von „Zigeunern“ – ebenso wie Vinzenz Rose (der
Onkel von Romani Rose), wie Tilman Zülch, Willy Brandt, Hans Dietrich Genscher und andere Politiker in
ihren Grußbotschaften. Auf dem Plakat zu der Veranstaltung war in großen Lettern
„Zigeuner“ (ohne Anführungszeichen) zu lesen und klein darunter: Roma. Die
„Roma-Welt-Union“ als Mitveranstalter wurde (in Klammern) mit „Weltverband
der Zigeuner“ erklärt. Angesichts dessen muß man
die heutzutage vorgebrachten „Argumente“ der Sprachbereiniger
als Irreführung der Öffentlichkeit betrachten. (Sinti und Roma im
ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 27. Oktober 1979 – eine Dokumentation der
‚Gesellschaft für bedrohte Völker‘ und des ‚Verbands deutscher Sinti‘,
Göttingen 1980)
In der von der
„Gesellschaft für bedrohte Völker“ herausgegebenen Zeitschrift „Pogrom“ kann
man in der Anmerkung der Redaktion zu einem Themenheft (18.Jg., Nr.130 -
1987, S.1) lesen: „In dieser Ausgabe wird
wiederholt der Begriff 'Zigeuner' verwendet. Der von den historischen,
kulturellen und politischen Konstellationen in der Bundesrepublik geprägte
Sprachgebrauch Sinti und Roma wird aber oftmals der kulturellen Vielfalt und
dem Selbstverständnis vieler diesem Volk angehörigen Gruppen in anderen
Ländern nicht gerecht. Der Begriff 'Zigeuner' ist also als in historischer
und kultureller Hinsicht wertneutraler Sammelbegriff zu verstehen und
impliziert im Einzelfall die Verwendung der von den Betroffenen gewünschten
Eigenbezeichnung." Zu erwähnen wäre an
dieser Stelle, daß die genannte Gesellschaft
maßgeblich an der Gründung des „Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma“
beteiligt war.
Der aus Mazedonien stammende, in
Deutschland lebende Roma-Schriftsteller und Sänger Muharem Serbezovski hat einem seiner Bücher den Titel gegeben: „Cigani ‚A’ kategorije“ (in
deutscher Übersetzung veröffentlicht als „Zigeuner erster Klasse“, 2003). In
einem Zeitungsartikel (Saarbrücker Zeitung vom 29.11.1996) mit einem Zitat von ihm als
Überschrift („Mit uns Zigeunern kam
der Frohsinn in die Welt“) liest man: „...Vorurteile über Zigeuner
will Muharem Serbezovski abbauen helfen. Er selbst
sagt: ‚Ich bin Zigeuner.’ Und er ist stolz darauf. …“
Sinti aus dem Ravensburger Viertel Ummenwinkel werden zitiert mit (in: Florian Lindemann:
„Die Sinti aus dem Ummenwinkel – Ein sozialer
Brennpunkt erholt sich“, Weinheim/ Basel 1991, S.35): „Der Begriff ‚Zigeuner’ hat im
Ummenwinkel nicht automatisch denselben
unangenehmen Beigeschmack, wie ihn uns Deutschen das schlechte Gewissen vor
der Geschichte üblicherweise anerzogen hat. Sie nennen sich hier alle selber
so.“
Die slowakische Ethnologin Petra Somanková schreibt in ihrer Magisterarbeit („Die Verbreitung der Pfingstbewegung unter
Sinti in Deutschland“, Köln 2010, S.5, Anm.3) über ihre Erfahrung mit Sinti
im Kölner Raum (http://www.gypsy-research.org/resources-somankova.pdf) : „Die Mitglieder der
Sinti-Gemeinde bezeichneten sich zuerst als Zigeuner und erst nachdem ich
nach der genaueren Gruppenzugehörigkeit fragte, erwähnten sie die
Zugehörigkeit zu der Gruppe der Sinti. Als Grund dafür nannten einige von
ihnen die Unwissenheit der ‚Nicht-Zigeuner’ über die Unterschiede bei den
verschiedenen Zigeunergruppen. Die Bezeichnung ‚Sinti und Roma’ lehnten alle
von mir Befragten ab und legten zudem viel Wert darauf, nicht als Rom/Romni bezeichnet zu werden.“
Der mit einer türkischen Romni verheiratete Mozes F. Heinschink schreibt in seinem Aufsatz: „E Romani Čhib – Die Sprache der Roma“ (in: M.F. Heinschink/ Ursula Hemetek
[Hrsg.]: Roma – das unbekannte Volk, Schicksal und Kultur, Wien u.a. 1994,
S.110-128, ebd. S.110, Anm.1): „Obwohl mir bewußt ist, daß diese
Bezeichnung vielfach von den Betroffenen abgelehnt wird, wird in Ermangelung
eines Besseren ‚Zigeuner’ als Sammelbegriff für alle Roma- und Sinti-Gruppen
verwendet.“ Dennoch hat Heinschink (wenn auch
nicht allein) das Buch mit „Roma“ betitelt.
Die Sinti Allianz Deutschland e.V.
(früher Sitz in Köln) schrieb auf Ihrer damaligen Webseite (Stand 12.7.2004): „...Die Bestrebungen einiger
Vereinsfunktionäre, die Eigenbezeichnung Sinti und die Eigenbezeichnungen der
anderen Zigeunervölker wie Manusch, Kale (Gitanos) u.a., sowie den
historisch gewachsenen neutralen Sammelbegriff Zigeuner aus politischen
Gründen durch Sinti und Roma bzw. nur Roma zu ersetzen, werden von den
Angehörigen der unterschiedlichen, den Sinti oder Roma nicht angehörigen
Zigeuner-völkern, abgelehnt. Will man alle Zigeunervölker
gleichermaßen achten und würdigen, muß deren
Eigenbezeichnung berücksichtigt werden, sofern die Nennung der ethnischen Herkunft
als notwendig erachtet wird. Sollte einem Außenstehenden
die Eigenbezeichnung nicht bekannt sein oder die Aufzählung aller
Volksbezeichnungen an der Vielfältigkeit scheitern, kann man mangels eines
von allen Zigeunervölkern akzeptierten neutralen Überbegriffs, auf die
Jahrhunderte alte Bezeichnung Zigeuner, sofern sie wertfrei benutzt wird,
nicht verzichtet werden. ...“ (unter: http://www.sintiallianz-deutschland.de/sintiunfroma.html
[sic !])
Der Kölner Sinti-Musiker Markus
Reinhardt in einem Interview mit der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom
28.8.2010 (Lutz Debus: Vielleicht wird der Sohn berühmt): „’ Wir sind Zigeuner!’ Markus
Reinhardt singt diesen Satz fast. ... Mit seiner Terminologie verstößt er
bewusst gegen den offiziellen Sprachgebrauch auch des Zentralverbandes der
Sinti und Roma. Es gebe in Europa noch andere Untergruppen, nicht nur Sinti und
Roma, erklärt Reinhardt. ‚Ihr Linken habt immer Probleme mit dem Wort, sagt
Sinti und Roma zu uns.’ Völliger Quatsch sei diese Wortakrobatik. Er habe
sogar ein Lied veröffentlicht, das sich diesem Thema widmet. ...“ (Aufruf vom 2.10.2010)
Die als „Frau Europas 2001“
ausgezeichnete Sintizza Philomena Franz benutzt die
verschiedenen Begriffe nebeneinander bzw. den einen als Untertitel des
anderen, z.B. in Ihrem Buch „Zwischen Liebe und Haß
– Ein Zigeunerleben“ (Freiburg u.a. 1985, S.8): „Ich
habe dieses Buch als Zigeunerin geschrieben. Als Zigeunerin vom Stamm der
Sinti.“ Und an anderer Stelle (in: Barbara Bönnemann: „Rom heißt Mensch – nicht Mensch zweiter
Klasse“, in: Süddeutsche Zeitung, 30.03.2002, S.RÖM 6): „Ich
habe mit dem Wort ‚Zigeuner' keine Probleme, es kommt immer darauf an, wie
man es ausspricht.“ |
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Paper delivered at the “1.
International Roman Symposium” Trakya Üniversitesi,
Edirne (Turkey), May 7-8, 2005 Gypsies (Tsiganes, Zigeuner, Çingeneler …) or “Roma” (“Sinti & Roma”) Some
Reflections about “Political Correctness”
with
special reference to Germany If I remember correctly, the name of this symposium initially
had “Gypsies” in its title; later on this was changed to “Roman”. This
“development” is actually the subject of my contribution today. In many countries, especially western ones – and for
the last few years in Turkey, too – efforts have been made over the past
three decades to assert and push through a new “political correctness” by
renaming “Gypsies”, “Tsiganes”, “Cigani”, “Zigeuner”, “Çingeneler” and so forth as “Roma” (“Romanies”)
or “Sinti and Roma”, the specific usage “designed”
for Germany and the German language. I want to discuss here the reasons for
this “language reform”and its implications. To make it clear at the very beginning: I belong to
those, who think it more appropriate to keep the specific (outsider) terms of
the majority populations for Gypsies, as they have been used for centuries. The main points put forward when asking outsiders to
use the designation “Roma” can be summarized as follows: 1. Reference is generally made to the First Romani
World Congress in London in 1971 and its decision that from then on all the
Gypsies of the world should be called “Roma”. 2. It is obviously perceived as a kind of “natural
right”, that the specific term used by the group itself is postulated to be
the only valid one. 3. Nearly all the foreign names for Gypsies are said
to be pejorative, discriminating and tainted with prejudice. 4. Concerning the traditional German word for
Gypsies (Zigeuner) it is argued that
National-socialism brought the term into discredit, although, at the same
time, it is stated that the term has always been pejorative. 5. Sometimes it is argued that the term “Roma” has
already become so colloquial, that persons who do not behave according to
what is thought to be politically correct, are labelled at least as backward,
if not as racist (or in Germany as Nazi). 6. When confronted with the fact that many Gypsies
themselves use the terms attached to them by their neighbours, it is put
forward that it would be different when Gypsies themselves use these, from
when outsiders do so. Let’s now discuss these arguments one by one. 1. At the First Romani World Congress in 1971 only
about two dozen “delegates”, apart from a few observers, are said to have
taken the far-reaching decision for several millions of Gypsies worldwide,
that they should thenceforth present themselves as “Roma”. Even when we take
later Romani World Congresses with more participants into consideration, the
legitimacy for such far-reaching decisions is rather weak. Nearly all Gypsy groups, to my knowledge, lack a
sense of larger trans-tribal units experienced in common, and solidarity
beyond clans, tribes, local or regional units is largely absent. Although
several organizations for Gypsies in different countries – which, by the way,
often incorporate foreign terms in their names – have been founded during
recent decades, they are not deeply rooted in the communities concerned.
Trans-national or even world organizations enjoy even less support from local
and regional groups. Rivalry between different persons or groups is still
widespread. 2. There are many Gypsy groups (especially Oriental
ones) who have never heard of the term “Roma” and many more who have their
own different designations (like Lom or Dom in
Turkey). There is no legitimacy or justification in attaching a “Roma” label
to them. Besides, this would contradict attaching the recognition of insider
names that is supposedly aimed at. By the way, the “original” term for Gypsies seems to
be “Dom”, rather than “Rom”. Of course, a problem arises when one really speaks
about Roma “proper” and not about Gypsies in general. Therefore one would
always have to explain whether one is using the term “Roma” in a broader or
narrower sense. We are in need for a term covering all different Gypsy
groups. And we have such terms in the specific languages. If it were demanded, that henceforward only insider
terms should be used worldwide, one can imagine what kind of confusion and
uncertainty would arise. Such a procedure is certainly not in the interest of
many ethnic groups and nations. For example: Germans are called Germans
although they call themselves “Deutsche” and although they are not the only
Germanic people. Although the Alemannen form just a
small part (or tribe, if you like) of Germans, all Germans are called “Allemands/ Almanlar” by, for
instance, French or Turks. Even “worse”, Germans are called “dumb” (Njemac, Nemci and so forth) in
Slavonic languages. Despite all these strange foreign designations for
Germans, I have not heard about any protest against them. It is much more “natural” that ethnic groups or
nations bear names different from those given to them by their neighbours.
Insider terms are often almost unknown to neighbouring groups, and quite
often the designations given by foreigners have some negative or at least
incorrect aspects. In this way we come to the next argument. 3. Gypsies have had a negative image for centuries,
regardless what they were called. Combatting
discrimination cannot be done by just attaching a different label. Prejudices
are then very likely to be transfered to the new
name. Alongside with negative associations when thinking
about Gypsies, there were also positive, often romantic, associations
connected with them. “Gypsy music” is generally highly esteemed and
newspapers, which otherwise use the “political correct” term for Gypsies,
still write about “Gypsy music” (Zigeunermusik),
since it has already become a well-recognised label. In Germany several
societies (generally connected with the carnival) have named themselves “Zigeuner”; they would certainly not have done so if the
term had only a negative connotation. Not only is nothing (positive) gained by renaming,
but the moral pressure connected with this provides yet a further reason for
rejecting Gypsies. The establishment of taboos often provokes counter-
reactions. 4. It is certainly wrong to assert that the Nazis
brought the term “Zigeuner” into discredit. The
Nazis had attached far more negative aspects to the image of Jews than were
associated with them before. Nobody, however, would therefore demand that the
name “Jude” be dropped in German. As some of you may know, the federal government of
Germany plans to errect a memorial for the Gypsy
victims of the Nazi terror in Berlin. Since the “Zentralrat
Deutscher Sinti und Roma”
(Central Council of German Sinti and Roma) is
fighting fiercely against the term “Zigeuner” in
the inscription of the memorial, an oppositional Sinti
group is defending the term. In order to counter the argument that Nazis had
discredited the name and as a compromise, the responsible state minister of
cultural affairs proposed to have the inscription in English and then use the
term “Gypsies”. It is just folk-etymology to trace the word “Zigeuner” back to “Ziehgauner”
(a strolling crook). To use that as an argument against the term is not
simply ignorance: since similar terms (Cigan and so
forth) like “Zigeuner” are used in Slavonic
languages, the term could not possibly be derived from “Ziehgauner”. By the way, the special German usage “Sinti & Roma” – in a global context itself an rather
unusual designation for an ethnic group (x and y connected with an “and”) –
reflects the fact, that Sinti don’t want to be
lumped together with Roma and therefore don’t want to be called by the same
name. 5. The term “Sinti &
Roma” in Germany has not yet become so colloquial that the majority of the
population could use the terms correctly in grammatical terms
(singular-plural, masculine-feminine) or even know the difference between Sinti and Roma. Thus newspapers very often write quite
incorrectly about “Sinti and Roma” when refering to some Gypsies or even to countries where
hardly any Sinti live. “Zigeuner” have their
position in German folklore and culture as they certainly have in other
countries, too. One cannot replace the term “Zigeuner”
in proverbs, sayings, songs, geographic names etc. by “Sinti
& Roma”. One would make Gypsies much more alien by calling them “new
names” than they have been hitherto. When in historical documents “Zigeuner”
occur, one cannot declare them to be Sinti, Roma or
Sinti and Roma. Sometimes the term “Zigeuner” is also used for Gypsy-like groups (for
instance the Jenische). 6. Just to give Gypsies (and not Gadje)
the right to call themselves by outsider names, would mean something like
George Orwell’s “double-think”. Should “native speakers” who had “invented”
the terms “Gypsies”, “Zigeuner” and so forth, not
be allowed to use a word of their own language, while others should ? This is
certainly not easy to explain to the average citizen. The arguments discussed above were those generally
brought forward in connection with the subject. But there are certainly other
reasons which are not uttered openly. Perhaps the fighters for “political
correctness”, both among Gypsies and Gadje are not
even fully aware of them. One of the reasons seems to be to gain or exercise
power. An ethnic minority (Gypsies) and a political minority (persons with an
anti-authoritarian ideology and a strong rejection of the “establishment”)
try to apply moral pressure in a field, where a “victory” seems easily to be
achieved. Besides the social-psychological explanations for such behaviour, a
victory, in the case of Gypsy organizations, is thought to be a means of
gathering more followers. A strengthened organization has a better chance,
for example, to obtain financial resources. I would like to finish my contribution with a
quotation from a collection of essays by the German-Romanian writer Herta Müller („Der Staub ist
blind – die Sonne ein Krüppel. Zur Situation der Zigeuner in Rumänien“, in: „Hunger und Seide“
(Reinbek bei Hamburg
1997, p.153, my own translation): „I went to Romania with the word „Roma“,
used it at the beginning during conversations and encountered a lack of
understanding everywhere. ‘The word is hypocritical’, I was told, ‘we are
Gypsies, and the word is good, as far as we are treated well.’” A struggle against discrimination needs much energy.
One should not waste energy on a battle about or against words, especially
when the arguments in favour are rather weak. A slightly
revised version of this paper (Rüdiger Benninghaus: “Gypsies or ‘Roma’?”) is printed in: City – analysis of urban trends, culture, theory, poliy, action, vol.14. no.6 (Dec.2010), pp.643-646. |
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Fotos und Text (soweit nicht andere Urheber vermerkt sind) © Rüdiger Benninghaus
rbenninghaus(klammernderaffe)gmxPünktchende Start der Webseite am erweitert am 5. Dezember 2025 |
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