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Betrachtungen zur
„political correctness“: „Zigeuner“ ? - „Sinti und Roma“? Reflection on “political
correctness”: The terms “Zigeuner” (Gypsies) or “Sinti and Roma” ? Uyun
terimler üzerine düşünceler: „Zigeuner“
(Çingeneler) veya „Sinti ve Roma(n)lar“ |
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An English part of this website can be found at the bottom of this
page. Siehe auch: http://www.rbenninghaus.de/antiziganistizismus-kritik.htm
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„Inzwischen hat mancher die Political Correctness derart
verinnerlicht, daß sein Computer beim Tippen des guten alten Wortes ‚Zigeuner'
abstürzt. Zigeuner
heissen jetzt ,Angehörige einer mobilen ethnischen Minderheit'.“ (Margrit
Sprecher: „Sprach-Softies haben noch viel zu tun“, in: Berner Zeitung,
08.07.2000) „Umberto Eco hat es
auf den Punkt gebracht, indem er sagte: Die ‚Politische
Korrektheit’ ist überhaupt nur dazu da, um das einer Sache zugrunde
liegende, aber ungelöste Problem zu kaschieren. Eco hat Recht. Die
PC fragt nicht, ob man ‚Neger’ liebt oder nicht, ob man ‚Zigeuner’
akzeptiert oder nicht, ob man ‚Eskimos’ für Rohfleischesser
hält oder nicht, sondern sie begnügt sich mit einer
oberflächlichen, sprachlichen Kosmetik. Und genau das ist verlogen.“ (Peter Stiegnitz: „Das
darf man nicht mehr sagen“, in: Wiener Zeitung, 14.2.2009) Immer wieder wird darüber diskutiert, welches denn nun die „korrekte“ Bezeichnung für die im deutschen Sprachraum „Zigeuner“ genannte Bevölkerungsgruppe sei/ sein müßte. Zuletzt war es die Inschrift auf dem geplanten Mahnmal für die Opfer des Naziterrors, die diese Diskussion nicht zuletzt auch unter Sinti-Organisationen erneut entbrennen ließ. Da ein zu dem Thema begonnener Aufsatz noch nicht abgeschlossen werden konnte, jedoch von verschiedener Seite das Bedürfnis zu solch einem Beitrag geäußert wurde, soll hier zunächst eine kurze Zusammenfassung einiger Argumente f ü r den Gebrauch der Bezeichnung „Zigeuner“ präsentiert werden. |
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1.
Der auf einer internationalen Zigeuner-Konferenz 1971
in London angeblich gefaßte Beschluß, daß Zigeuner forthin „Roma“ genannt werden
sollten, wurde von etwa zwei Dutzend „Delegierter“ gefaßt, darunter nur einer
Person (Melanie Spitta) aus Deutschland. Aus etlichen Staaten mit einer nennenswerten
Zigeunerbevölkerung waren überhaupt keine „Vertreter“ bei diesem Treffen anwesend.
Solch ein weitreichender Beschluß, der natürlich ohne vorherige Konsultation
der „Basis“ gefaßt worden ist, entbehrt jeglicher Legitimation. Dieser in der
Folge mystifizierte Kongreß war nicht mehr als ein Hinterzimmertreffen, das
zudem noch von Nicht-Zigeunern dominiert bzw. instrumentalisiert wurde. Übrigens, wie die folgende Liste zeigt, sind einige Organisationen
als „Tsiganes“ oder „Gypsies“ auf dem Kongress aufgetreten. |
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Die „Delegierten“ und Beobachter auf
dem 1. Roma Welt-Kongreß 1971 in London. nach: Kenrick,
D(onald) S.: The
World Romani Congress - April 1971 in: Journal
of the Gypsy Lore Society, 3rd series, vol.50 (1971), parts 3-4, S.101-108
(hier S.107 f.) Edinburgh
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2.
Es ist eine falsche Vorstellung
(Volksetymologie), daß der Begriff „Zigeuner“ auf „Zieh-Gauner“ zurückzuführen
wäre. Diejenigen, die dies behaupten, tun das häufig nicht aus Unwissen,
sondern wollen sich auf unredliche Weise ein Argument gegen den Begriff
verschaffen. Die in slawischen Sprachen übliche Form „Cigani“ (u.ä.), auf die
wahrscheinlich die deutsche Bezeichnung „Zigeuner“ etymologisch
zurückzuführen sein dürfte – die ursprüngliche Entlehnung von dem Namen einer
Sekte im antiken Griechenland ist nicht direkt ins Deutsche geschehen – kann
natürlich nicht mit einer postulierten Bedeutung „Zieh-Gauner“ erklärt
werden. Aber selbst als Volksetymologie ist diese falsche Erklärung kaum
verbreitet. Diejenigen, die ständig wider besseren Wissens darauf
herumreiten, tragen selbst zur Verbreitung dieses Unfugs bei und betreiben
schlicht und einfach Demagogie. 3. Es ist natürlich falsch, wenn immer wieder von verschiedener Seite (auch von Sinti-Funktionären) behauptet wird, daß der Begriff „Zigeuner“ von den Nazis geprägt worden wäre. Ebensowenig haben erst die Nazis ihn negativ besetzt. „Juden“ hat sicherlich durch die Nazis eine viel stärkere negative Besetzung erfahren, als das vor der braunen Zeit der Fall war. Dennoch würde heute niemand auf den Gedanken kommen, zu fordern, deshalb die Bezeichnung „Juden“ nicht mehr zu verwenden. 4.
Der Begriff hat, wie viele
Begriffe und gerade auch ethnische Bezeichnungen, sowohl positive als auch
weniger positive „Mitschwingungen“. Dies wird sich mit einer Umbenennung in
„Roma“ oder „Sinti und Roma“ um keinen Deut ändern. 5.
Eine Diskriminierung kann nicht
durch Umbenennungen bzw. noch weniger durch aufoktroyierte „politische
Korrektheit“ beseitigt werden, das muß auf anderen Ebenen geschehen. 6.
Der Begriff hat einen festen Sitz
in der deutschen Volkskultur (in Liedern, Erzäh-lungen, Sprichwörtern u.ä.)
und selbst der Geographie verschiedener Regionen („Zigeunereiche“,
„Zigeunerberg“ u.ä.). Es wäre auch absurd, nunmehr vom „Sinti-Baron“ oder
„Roma-Schnitzel“ zu sprechen, von „Sinti-und-Roma-Sauce“ oder dem „lustigen
Sinti- und-Roma-Leben“. 7.
Bei aller immer noch bestehenden
Diskriminierung und Ausgrenzungsversuchen drückt der Begriff „Zigeuner“, an
den man sich seit langer Zeit gewöhnt hat, aus, daß Zigeuner „irgendwie“ dazu
gehören, anders als ein fremdes und fremd gebliebenes „Sinti und Roma“. Mit
letzterem wird diese Bevölkerungsgruppe der Mehrheitsgesellschaft nicht
weniger, sondern mehr entfremdet. 8.
Es gibt auf der Welt kaum ein
Volk, das mit „x und y“ (Sinti und Roma) bezeichnet wird bzw. sich so
bezeichnet. 9.
Weltweit gibt es für jede
Bevölkerungsgruppe Fremd- als auch Eigenbezeich-nungen. Häufig sind die
Eigenbezeichnungen weit weniger bekannt als die Fremd-bezeichnungen. Dabei
sind die Fremdbezeichnungen selten wertneutral. Auch die Deutschen werden
nicht nur Deutsche (nach ihrer Eigenbezeichnung) benannt, sondern Alemannen,
Germanen oder „die Stummen“ (in slawischen Sprachen). Trotzdem ist deshalb
noch niemand hierzulande auf die Barrikaden gegangen. 10.
Verschiedene
Zigeunergruppen benutzen aus fremden Sprachen hervorgegan-gene Bezeichnungen
als Eigenbezeichnungen, z.B. Lovara (aus dem Ungarischen), Kalderascha,
Tschurara, Ursara (aus dem Rumänischen) u.a.m. 11.
Es ist
falsch zu behaupten, daß der Begriff „Zigeuner“ (oder auch Gypsy, Tzigane,
Cigani usw.) von den „Betroffenen“ nicht verwendet bzw. abgelehnt würde. Wenn
diese in der jeweiligen Landessprache sprechen, so verwenden sie meist (außer
einigen Funk-tionären) selbst die Bezeichnung Zigeuner, Gypsy usw. (Beispiele
siehe unten). 12.
Wenn man,
was eben weltweit nicht der Fall ist, die Eigenbezeichnungen zum Maßstab
machen wollte, dann müßte man auch die jeweiligen Eigenbezeichnungen der
verschiedenen Zigeunergruppen „zulassen“ bzw. benutzen, die sich weder Sinti
noch Roma (sondern etwa Dom oder Lom, Calé/ Gitanos u.a.m.) nennen. Alles
andere wäre inkonsequent. 13.
Ein
Alleinvertretungsanspruch, wie er sich aus der Festlegung auf einen Begriff
für alle Zigeuner ergibt, dürfte von den meisten Zigeunern (besonders auch
Sinti) abgelehnt werden. 14.
Da es eines
übergreifenden Begriffes für alle Zigeunergruppen bedarf, sollten die
jeweiligen Bezeichnungen in den verschiedenen Sprachen beibehalten werden,
sprich: im Deutschen: „Zigeuner“. 15.
Unter Sinti
gibt es durchaus noch die Ansicht: „was geht es die Gadsche (Nicht-Zigeuner)
an, wie wir uns selbst nennen“, wenngleich es heute natürlich keinen Sinn
mehr macht, die Eigenbezeichnung verheimlichen zu wollen. 16.
Der Ton
macht der Musik. „Scheiß Deutscher“ ist in etwa ebenso beleidigend wie
„dreckiger Zigeuner“. Es kommt also darauf an, wie und in welchem
Zusammenhang der Begriff verwendet wird. 17.
Daß viele
Deutsche den Begriff durchaus nicht oder nicht nur negativ besetzt sehen,
zeigen die nicht wenigen Karnevalsvereine und ähnlichen Gruppen, die sich
„Zigeuner“ nennen oder „als Zigeuner gehen“. 18.
Vor der
„Sprachreform“, als nur einige Insider von „Sinti“ und „Roma“ wußten, hatte
man auch als einer den Zigeunern wohlwollender Zeitgenosse keine andere
Alternative, als eben von „Zigeunern“ zu sprechen; d.h. der Begriff wurde
durchaus wertneutral als die im Deutschen übliche Bezeichnung für eine
Bevölkerungsgruppe verwendet. 19.
Der Begriff
in der Zusammensetzung „Zigeunermusik“ wird als ein „Markenzeichen“ selbst noch
von vielen Zeitungen u.ä. verwendet, die ansonsten von „Sinti und Roma“
sprechen oder schreiben. 20.
Obwohl schon
in Deutschland etwa zwei Jahrzehnte seit der „Einführung“ der Begriffe bzw.
des Begriffs „Sinti und Roma“ vergangen sind, haben die meisten derjenigen,
die diese Begriffe (etwa in den Medien) benutzen, den korrekten
gramma-tikalischen Gebrauch noch nicht gelernt. So ist von Sintis (doppelte
Verneinung) die Rede, von „der Sinti“ (richtig: der Sinto, Singular) oder
„die Sinti“ (eigentlich: Sintizza) und es wird in ähnlich falscher Weise mit
dem Wort „Roma“ (Plural) umgegangen. 21.
Es wird
nicht selten von „Sinti und Roma“ gesprochen oder geschrieben, selbst wenn es
sich (wie tatsächlich meist der Fall) nur um Roma oder nur um Sinti handelt.
Für einen außenstehenden „Laien“ ist es auch kaum möglich, eine
Unterscheidung zwischen beiden zu treffen. Die überwiegende Mehrheit der
Sinti will jedenfalls nicht Roma genannt werden und Roma würden nur mit dem
Kopf schütteln, würde man sie als Sinti bezeichnen. 22.
Indem
interessierte Kreise den vermeintlich „historischen Beschluß“, daß fortan
alle Zigeuner „Roma“ genannt werden sollen, in Deutschland dahingehend
relativiert haben, indem sie von „Sinti und Roma“ sprechen, dokumentieren sie
damit eigentlich schon, wie sehr der unsinnige neue Sammelbegriff an der
Realität, sprich: der Eigenbezeichnung und dem Eigenempfinden mancher
Zigeunergruppen vorbei geht. 23.
Nun sind
mittlerweile einige Nicht-Zigeuner im deutschsprachigen Raum dazu
übergegangen, nicht mehr von „Sinti und Roma“ zu sprechen, sondern nur noch
von „Roma“, selbst dann, wenn sie wissen, daß es sich in einem gegebenen Fall
um Sinti (oder eine andere Zigeunergruppe als die Roma) handelt, die sich
nicht als „Roma“ vereinnahmen lassen wollen. Begründet wird das dann
teilweise damit, daß das „inter-national üblicher“ Sprachgebrauch wäre. Das
Zustandekommen und der Sinn oder Unsinn eines solchen Sprachgebrauchs wird
dabei ebenso wenig hinterfragt wie man sich darum kümmert, was Nicht-Roma
unter den Zigeunern davon halten. Das ansonsten gern bemühte Argument bzw.
die Forderung, Eigenbezeichnungen zu benutzen, bleibt dabei auf der Strecke. 24.
Was treibt
solche Leute dann eigentlich um, worum geht es ihnen, wem wollen sie damit
dienen? Einige dieser Vorreiter der politischen Korrektheit haben sicher im
Sinn, den Zigeunern Einigkeit „beizubringen“ – eine Einigkeit, die es zwar in
der Geschichte nie gegeben hat, aber was nicht ist, kann ja noch werden bzw.
man wird schon dafür sorgen, daß das so wird, wie sich das die Revolutionsbegeisterten
unter den Gadsche wünschen. Wahrscheinlich würden sie sich vehement dagegen
verwahren, wollte man diese ihre Handlungsweise als Paternalismus, als
Bevormundung klassifizieren. 25.
Wenn man
sich fragt, warum gerade manche Nicht-Zigeuner – offensichtlich mehr noch als
die meisten Zigeuner selbst – so vehement eine neue Sprachregelung
propagieren, so drängt sich die Vermutung auf, daß das wohl aus schlechtem
Gewissen (angesichts von Diskriminierung und Verfolgung der Zigeuner über
Jahrhunderte) heraus geschieht, das man jedoch auf recht billige Weise zu
erleichtern sucht. 26.
Denjenigen,
die laut aufschreien, wenn irgendwo das Wort „Zigeuner“ fällt, geht es im
Grunde genommen nicht in erster Linie darum, daß hier eine „unmögliche“
Bezeichnung verwendet würde, sondern sie sind erbost, daß man damit an ihrer
„Autorität“ gekratzt hat, indem man ihre zur „Moral“ erhobene Ideologie nicht
akzeptiert. Es geht um Machtausübung. Nachdem mal einmal seine Sicht der
Geschichte und Gegenwart „patentiert“ hatte – selbst wenn sie sich im
Nachhinein als Unsinn herausgestellt haben mag – man kann sie nicht mehr
aufgeben, weil man dies als Verlust der Meinungshoheit, mithin als
Machtverlust auffaßt. Dies um so mehr, als konstant vorgetragene gegenteilige
Auffassungen zu einer Verhärtung des Standpunktes beigetragen haben. 27.
Wenn man
„Roma“ als Sammelbezeichnung verstanden wissen will, wie es manchmal
geschieht, dann macht das Konstrukt „Sinti und Roma“ keinen großen Sinn mehr,
da ja in dem Fall unter „Roma“ ohnehin alle Zigeunergruppen fallen.
Diejenigen, die den Begriff „Zigeuner“ bekämpfen, sollten sich also zumindest
einmal einigen bzw. eine klare Linie finden, was denn nun auf ihren Fahnen
stehen soll; ansonsten bleibt ihre Position allein schon aus diesem Grunde
fragwürdig. 28.
Wenn man
„Roma“ synonym zu „Zigeuner“ gebraucht, so muß man fast jedes Mal hinzufügen,
ob man den Begriff im engeren (manchmal als: „Rom-Zigeuner“) oder weite-ren
Sinn (als allumfassende Sammelbezeichnung) verwendet – ein wenig praktisches
Verfahren. 29.
Wenn man es
mit Sinti zu tun hat, kann man von Sinti sprechen, weiß man, daß es um Roma
geht, kann man von Roma sprechen, meint man beide bzw. weiß man um die Unterschiede,
kann die Bezeichnung Zigeuner gewählt werden oder selbst „Sinti und Roma“,
wenn man eben ausdrücklich diese beiden Gruppen meint und nicht etwa alle
Zigeuner. Da eben nicht jedermann die Unterschiede kennt, sollte man bei dem
vertrauten „Zigeuner“ bleiben (können) und sich nicht darum scheren, daß man
von gewissen Kreisen in die Nähe von Rassisten und Nazis gerückt wird. 30.
Wenn
verschiedene Vereine die Begriffe „Sinti und Roma“ im Namen tragen, so ist
das nicht selten „Etiquettenschwindel“, da es ihnen doch meist nur um eine
Gruppe geht bzw. einzelne Mitglieder der anderen Gruppe(n) bestenfalls als
„Alibi“ oder „Vorzeige-...“ benutzt werden. Die traditionellen Vorbehalte
einer Zigeunergruppe gegenüber einer anderen spielen hierbei immer noch eine Rolle. 31.
Schon kurz nach dem Krieg (1946) ist
in München ein „Komitee Deutscher Zigeuner" gegründet worden. 1958 hatten einige Sinti, vor allem Walter Strauß, Wilhelm und Johannes Weiß ein „Zentralkomitee der Zigeuner“ gegründet.
1968 hatte ein Rom, Rudolf Karway, in Hamburg eine „Internationale
Zigeuner-rechtskommission“ gegründet.
Wilhelm Weiß (s.o.) hat 1973 das „Zentralkomitee“ als „Zigeuner
International e.V.“ wiederbelebt. Die Sintizza Theresia Seible hatte Ende der 1970er/ Anfang der 80er Jahre einen Frauenverein unter dem Namen „Comitée der Zigeuner“ gegründet. 1979 ist in Bremen zunächst von Nicht-Zigeunern der „Verein zur Durchsetzung der Rechte der Zigeuner in der Stadtgemeinde Bremen e.V.“ gegründet worden, in dessen Vorstand auch bald Sinti (u.a. Ewald Hanstein) aufgenommen wurden. Um 1980 gab es einen „Verbandes der Zigeuner Niedersachsen e.V.“ Diese Beispiele, allesamt dem Alptraum der NS-Diktatur zeitnaher als etwa die Etablierung des „Zentralrates“, zeigen, daß die Gründer offenbar nicht von dem Gedanken „beseelt“ waren, daß der Begriff „Zigeuner“ durch die Nazis diskreditiert wäre bzw. eine diskriminierende Bezeichnung darstellte.
Tatsächlich wird man eben bei genauerem Hinsehen feststellen, daß die
Sprachregelung „Sinti und Roma“ hauptsächlich von Nicht-Zigeunern ausging
bzw. von Gadsche-Kreisen maßgeblich „unters Volk“ gebracht worden ist. Eine
bei diesen „Korrektheitsfanatikern“ festzustellende Intoleranz ist ohnehin
den Zigeunern weitgehend fremd (gewesen). Das haben einige Funktionäre erst
später von den Gadsche übernommen. 32.
Wenn in
historischen Dokumenten von Zigeunern die Rede ist, kann man nicht im
Nachhinein hingehen und sie etwa zu Sinti, zu Roma oder zu „Sinti und Roma“
erklären. Wenn keine weiteren Anhaltspunkte zu finden sind, die eine
Zuordnung möglich machen, muß es bei „Zigeuner“ bleiben, zumal auch
nichtzigeunerische Gruppen wie etwa die Jenischen vielfach als Zigeuner
bezeichnet bzw. angesehen werden. 33.
Wenn manche
Schreiber zwar den Begriff „Zigeuner“ benutzen, ihn jedoch in
Anführungszeichen setzen, so mag man solch ein Verfahren einerseits als
Ausdruck einer erkannten Notwendigkeit zur Verwendung des Begriffes sehen,
gleichzeitig wird jedoch darin auch eine Furcht vor sprachlichen/ politischen
Tugendwächtern deutlich. 34.
Es wird wohl
niemand, etwa unter den Sinti, behaupten können, daß deren Bezeichnung für
Nicht-Zigeuner – Gadsche oder Chale – frei von negativen Asso-ziationen bzw.
Konnotationen wäre. Wenn sie deutsch schreiben oder sprechen, wird die
Bezeichnung mit „Knechte“ wiedergegeben (also nicht einmal „Bauer“). Sollten
jetzt die Gadsche auf die Barrikaden gehen und die „Ächtung“ dieser Benennung
(als „Fremdbezeichnung“) fordern ? Auf zum Kulturkampf ? 35.
In manchen konservativen
oder rechtslastigen Kreisen wird ebenfalls für die Beibehaltung des Begriffs
„Zigeuner“ plädiert und gegen den Versuch einer Sprach-regelung polemisiert.
Die grundsätzliche Distanz zu solchen Gruppen kann jedoch kein Grund sein,
von einer gewonnenen Einsicht Abstand zu nehmen und deshalb den Begriff nicht
zu verwenden. 36.
Es ist
durchaus zu beobachten, daß Leute, die mittels moralischer Keule gezwungen
werden sollen, eine jahrhundertealte Bezeichnung, mit der sie etwas anfangen
können, gegen eine neue Bezeichnung einzutauschen, die sie nicht recht
verstehen, daß solche Leute eine noch größere Abneigung gegenüber Zigeunern
entwickeln, als sie ohnehin schon hatten. 37.
Übrigens:
der/ die wahrhaft politisch Korrekte wird nicht umhinkommen, von „Sinti/ Sintizzi/
Roma/ Romnija“ zu reden und zu schreiben, ansonsten gibt’s Krach mit Alice
und all die anderen. Aber vielleicht sind diese ja auch mit „ZigeunerInnen“
oder „Zigeunerinnen und Zigeuner“ zufrieden.
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~~ Bilddokumente zum Thema
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Grabstein eines Rom (offenbar Kelderari)
auf einem Frechener Friedhof |
Grabstein einer Romni (offenbar
Kelderarka) auf einem Kölner Friedhof |
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Grabstein eines Rom (offenbar Kelderari) auf einem Frechener Friedhof |
Grabstein eines Roma-Ehepaares
(Kelderara) auf einem Mönchengladbacher Friedhof |
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Grabstein
eines Sinto auf einem Koblenzer Friedhof. |
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Genossenschaft
fahrendes Zigeuner - Kultur - Zentrum |
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Sowohl von Sinti als auch von Roma genutzte Internetseite mit Foren und
Chats. |
Eine interessante Einrichtung von „Fahrenden“
in der Schweiz, die u.a. „Zigeunerkulturwochen“ durchführen. Internetseite: http://www.8ung.at/zigeuner/zigeunerkulturzentrum/ |
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Zwei cover von CD’s bekannter deutscher
Sinti-Musiker bzw. Musikgruppen. Weder die (wahrscheinlich) Nichtzigeuner,
die diese CD-Reihe auf den Markt gebracht haben, noch die ja nicht
unbekannten Musiker dürften von einer diskriminierenden, abwertenden
Bedeutung des Begriffes „Zigeuner“ ausgegangen sein, als sie diese CD’s
produzierten. |
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Eine CD zum Andenken und zur Ehre aller verfolgten Zigeuner zu veröffentlichen und das gleichzeitig in dem Bewußtsein zu tun, einen
diskriminierenden Begriff zu verwenden, dies ist kaum denkbar. |
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Es ist kaum denkbar, daß ein Sinto ein
Buch über sich schreiben läßt und seiner Titulierung als Zigeuner zustimmen würde, wenn er
diese Bezeichnung als abwertend auffaßte. |
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Die Angehörige der bekannten österreichische Lovara-Familie Stojka hat keine Probleme damit, „Zigeunerin“ zu sein (1988). |
Der Aktivist Mustafa Aksu, selbst Zigeuner, hat seinem Buch den Titel gegeben: „Zigeuner sein in der Türkei“ (3.Aufl. Ankara 2009) |
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Die nicht mehr erscheinende Zeitschrift „Interface“ erschien in drei Sprachen. Wie die
Kollage der Untertitel in Frz., Engl. und Dt. zeigt,
ist die Frage der „politischen Korrektheit“ vor allem
ein deutsches „Problem“:
Was im Französischen und Englischen „Tsiganes“ und „Gypsies“ sind, wird im deutschen Untertitel zu „Sinti und Roma“. |
Wie in manchen anderen Publikationen
auch, „übersetzt“ man im deutschen Titel „Zigeuner“ (hier im Polnischen
„Cygan“) mit „Sinti und Roma“ – „typisch deutsch“! Dies zeigt auch, daß das (vorgeschobene)
Argument, man müsse doch die Eigenbezeichnung verwenden, in anderen Ländern keine/ kaum eine
Rolle spielt. |
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Als geradezu geschäftsschädigend müßte es aufgefaßt werden, für ein Produkt mit einem derart „negativ“ belasteten Begriff zu werben. Im übrigen zeigt das Beispiel, daß der Begriff „Zigeuner“ noch weit davon entfernt ist, außer Gebrauch zu kommen. |
Auch dieses Beispiel zeigt, daß,
entgegen der Behauptung interessierter Kreise, im alltäglichen „deutschen
Leben“ „Zigeuner“ noch immer ihren Sitz haben, so wie „Russische
Eier“, „Wiener Würstchen“, „Bayrisch-Blau“ u.ä. Aus anderen Sprachen ließen sich ähnliche
Beispiele anführen. |
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Emblem der türkischen Webseite http://www.cingeneyiz.org/ (08.04.2007) „Çingeneyiz“ bedeutet: „Wir sind
Zigeuner“. Man setzt sich damit bewußt von der seit
einigen Jahren von außen „unters Volk“
gebrachten Neologie „Romanlar“ anstelle der alten und verbreiteten
Bezeichnung „Çingeneler“ ab. Die Aussage des Mädchens „Ben bir
Çingeneyim“ lautet übersetzt: „Ich bin eine
Zigeunerin“. |
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Schon bevor diese Webseite
entstanden ist, hat der Verfasser u.a. wegen der Verwendung der Bezeichnung
„Gypsies“ in einer Anfrage an das Internetforum Romano Liloro (Roma Network,
wird von Israel aus betrieben) am 9.5.2003 folgende Reaktion eines
brasilianischen Vereins bekommen (öffentlich über die mailing list Romano
Liloro): „first we are not "gypsies", we are ROMA ! … Please, consider
change your text and be more "politically correct".” Dieser Verein nennt sich “Uniao
Cigana (Gypsy Union)” und
benutzt diese Bezeichnung auch in ihrer email-Adresse. Ein Hinweis auf George
Orwell („double-think“) mag hier als Kommentar genügen. Immerhin mag man in
der Antwort (10.5.2003) auf die daraufhin erfolgte Erklärung des Verfassers
ein gewisses Verständnis zu erkennen: „Okay,
forget about it!”
Marko D. Knudsen (Direktor der
RomNews-Gesellschaft <www.RomNews.com>, Hamburg)
schrieb am 8.6. (bzw. 9.6.) 2004 an das oben bereits erwähnte Roma Network
(Romano Liloro), wo diese Webseite bekannt gemacht worden war: „This site is not recomended !!! Some rasist views from an non
Roma, maybe he dont like be called an Nazi, but who knows ? I will consult my lawyer, writer
should be in Germany.” Zu Deutsch: „Diese Seite ist nicht zu empfehlen !!! Einige rassistische Ansichten
eines Nicht-Roma; vielleicht möchte er nicht Nazi genannt werden, aber wer
weiß ? Ich werde meinen Anwalt konsultieren; der Autor dürfte in Deutschland
sein.“ Dies ist alles, was Knudsen zu der
Seite bzw. zum Thema zu sagen hatte. Im Übrigen würde ich, wenn schon, dann
auf „Nicht-Sinti-und-Roma“ bestehen.
Die Schriftstellerin Luise Rinser
erhebt gleich zu Beginn ihres Buches „Wer wirft den Stein ? -
Zigeuner sein in Deutschland, eine Anklage“ (Stuttgart 1985, S.7) den
moralischen Zeigefinger und führt aus: „Zigeuner ist ein negativ besetzter
Begriff, den wir nicht mehr gebrauchen sollten. Das Volk, das wir so
bezeichnen, heißt Roma . ... Wenn ich Roma sage, so meine ich das ganze Volk
der Roma, wo immer es auch lebt. Wenn ich Sinti sage, so spreche ich von
jenen Roma, die Deutsche sind wie wir andern Deutschen auch.“ - und
demonstriert dabei gleichzeitig ihre Ignoranz. Sachlich unrichtig, neben der Gleichsetzung
von Zigeunern und Roma, ist hier, daß Rinser Zigeuner mit deutscher Staatsangehörigkeit
automatisch zu Sinti macht, obgleich es doch auch nicht wenige ‚deutsche’
Roma gibt.
Der Historiker
Ludwig Eiber (in: „Ich wußte, es wird schlimm.“ – Die Verfolgung der Sinti
und Roma in München 1933-1945, München 1993, S.10): „Die Ende der 70er
Jahre erstarkende Bürgerrechtsbewegung verwendete mit den Begriffen Sinti
(auch ‚Cinti’) und ‚Roma’ die Eigenbezeichnungen der beiden in der
Bundesrepublik lebenden Hauptgruppen. Diese Namen haben sich inzwischen
weitgehend durchgesetzt, wenngleich in Bayern lebende Sinti sich noch heute
‚Zigeuner’ nennen. In dieser Dokumentation
werden die Bezeichnungen ‚Sinti’ und ‚Roma’ übernommen, da das Wort
‚Zigeuner’ durch den Sprachgebrauch unter dem NS-Regime und durch massive
Vorurteile negativ belastet ist.“ Es
wird nicht erklärt, in welcher Weise der Begriff „Zigeuner“ durch das
NS-Regime negativer belastet worden sei, als das vorher der Fall war. Es ist
auch nicht der Begriff an sich, der von Vorurteile behaftet wäre, sondern es
sich die Menschen, die hinter diesem Begriff stehen. D.h. durch einfache
Umbenennung können Vorurteile nicht beseitigt werden. Obwohl
Eiber konstatieren muß, daß die (Masse der) Sinti in Bayern sich selbst
„Zigeuner“ nennt (wenn sie Deutsch sprechen), setzt er sich jedoch über diese
Einsicht hinweg – wem auch immer damit dienend.
Der
niederländische Kulturwissenschaftler Huub van Baar (in: „Memorial work in
progress“, City – analysis of urban trends, culture, theory, poliy, action,
vol.14. no.6 (Dec.2010), S.653-657, ebd., S.647): “I use the term ‘Roma’ and its ajective ‘Romani’ to indicate all the
different groups, which are often called ‘Gypsies’ in the English speaking
regions. Hence, by referring to the Roma, I often implicitly refer to the Sinti
and other Gypsy groups who prefer to be distinguished from the Roma.” Zu Deutsch: „Ich verwende den
Terminus ‘Roma’ und sein Adjektiv ‘Romani’, um all die verschiedenen Gruppen
zu bezeichnen, die in Englisch-sprachigen Gegenden ‚Gypsies’ genannt werden.
Wenn ich von Roma spreche, dann meine ich häufig auch die Sinti und andere
Zigeunergruppen, die von den Roma unterschieden werden wollen.“ Der
Niederländer ist sich also bewußt, daß sich nicht alle Zigeunergruppen als
„Roma“ bezeichnet wissen wollen – und tut es trotzdem. Und auch er kommt
nicht um den Begriff „Zigeuner“ als Sammelbe-zeichnung herum; möglich ohne
sich dessen bewußt zu sein.
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P r o
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Der Ethnologe Bernhard Streck (Universität
Leipzig), der sich seit Jahren mit verschiedenen Zigeuner-gruppen
beschäftigt, schrieb am 13.4.2004 an den Verfasser dieser Webseite folgende
email: „ich
gratuliere Ihnen zu ihrem mutigen Plädoyer für den altehrwürdigen Begriff Zigeuner.
Soweit ich sehe, hat die seriöse Tsiganologie jene von Ihnen zu Recht als zu
schwach legitimierte Umbenennung nicht mitgemacht. Weder die Giessener Hefte
für Tsiganologie noch die Leipziger Tsiganologie, die deren Tradition
weiterführt, hat sich von dem Sammelnamen verabschiedet, zumal sie sich mit
Räumen befasst, wo die beiden Teilgruppen gänzlich unbekannt sind. Leipziger
Tsiganologen sprechen von Roma, wenn es sich nachweislich um
Romani-Sprachgruppenangehörige handelt. Bei vielen mittel- und westeuropä-ischen
Zigeunern ist das nämlich nicht der Fall, erst recht fehlt diese Sprache in
den Ländern des Vorderen Orients. Das besondere Verhältnis zur
Mehrheitsbevölkerung, das in den Termini Dienst-leistungsnomadismus oder
Peripatetiker zum Ausdruck gebracht wird, ähnelt sich aber in über-raschender
Weise auf der ganzen Welt. Das NS-Regime verfolgte in
der Tat Zigeuner. Warum gereicht dieser furchtbare Tatbestand diesem Namen
nicht zur Ehre, sondern zur Exterminierung? Es geht bei diesem
Namensstreit einzig um Macht, Einfluss und Gelder. Und um ein schlechtes
Gewissen bei Journalisten, die unter keinen Umständen unkorrekt erscheinen
möchten. Wissenschaft muss sich da raushalten; ihr Ziel ist nicht Beifall
oder Assistenz für bestimmte Gruppen oder Organisationen, sondern einzig
Wahrheit.“
Die beiden bulgarischen Ethnologen
und Tsiganologen (man könnte auch „Romologen“ sagen, doch das würde
hierzulande kaum jemand verstehen) Elena Marushiakova und Veselin Popov
(„Studii Romani“, Sofia) schrieben am 26.5.2004 in einer email an den
Verfasser: „... Wir haben Eueren Text über den
Begriff Zigeuner gelesen – hat uns sehr gefallen.“
Reimer Gronemeyer, aus dessen Feder
zahlreiche Publikationen zum Thema Zigeuner stammen, führt die folgende
Begründung für seinen Sprachgebrauch an (aus: Reimer Gronemeyer: Kleines
Plädoyer für nicht-verwaltetes Lernen - Bemerkungen anlässlich eines
Sachverständigengesprächs, in: Frankfurter Hefte, 38.Jg., H.3/1983, S.9-11,
ebd. S.10): „Ich benutze den Begriff, obwohl er gegenwärtig
gern durch die Begriffe Sinti und Roma ersetzt wird. Mir persönlich erscheint die Benutzung der Gruppennamen zudringlich. Zwar ist die
Tatsache nicht von der Hand zu weisen, daß der Begriff Zigeuner vorurteilsgeladene
Assoziationen weckt. Ich erinnere aber daran, daß es seit den Zeiten Maria
Theresias mehrere Versuche gegeben hat, den Begriff Zigeuner zu tilgen . ...
Die Versuche, den Begriff Zigeuner zu tilgen, waren mit dem Versuch
verbunden, zigeunerische Lebensweise und Identität zu beseitigen.“
In einer email schrieb am 5.6.2004
der Jurist Oliver Jung (Regensburg) an den Verfasser: „ich
wollte ihnen nur sagen, dass ich ihren internetartikel sehr spannend und sehr
erhellend fand. ... political correctness wäre
eine schöne sache, wenn sie in den köpfen und herzen stattfände, und nicht
nur eine strategie, um die beschäftigung mit der substanz einer sache zu
vermeiden. bezeichnungen alleine ändern
natürlich nicht von heute auf morgen die ablehnung gegenüber einer fremden
volksgruppe. trotzdem haben sie vielleicht eine wichtige bedeutung: als
jurist sehe ich durchaus eine botschaft etwa in der veränderung der
bezeichnung "elterliche gewalt" zu "elterliche sorge".
dito "down-syndrom" statt mongoloide idiotie". schade, dass dies mit
"sinti und roma" statt "zigeuner" nicht ebenso gelingt.
im gegenteil bin ich jetzt nach ihrem artikel davon überzeugt, dass neue
konfusion und eigentlich auch neue herabwürdigung (durch ignoranz) betrieben
wird. ich werde jetzt also mit neuem bewusstsein von
"zigeunern" reden.“
Der unter dem nickname „Nomad“
agierende Moderator eines Roma-Diskussions- und Informationsforums im
Internet, ein Lovari (Rom) aus Wien, schrieb in diesem Forum am 14.6.2004
unter der Überschrift „Zigeuner oder nicht Zigeuner“ zum Thema: „Da wir wieder einmal das leidige Thema
haben, was nun Zigeuner bedeutet bzw. ob es ein Schimpfwort sei, lasst Euch
gesagt sein, man kann jeden Namen und jedes Wort als Schimpfwort verwenden. Es für mich unerheblich, ob einer statt Scheiß-Zigeuner, dann
Scheiß-Roma oder Scheiß-Sinti sagt. Denen, die uns so nennen, ist es doch egal, welches Wort
dahinter steht. Ob diejenigen die sich jetzt, über das Wort Zigeuner aufregen,
dann zufriedener sind, vermag ich zu bezweifeln. Gesetzt dem Fall, man bekommt die Gadje dazu, nicht mehr
Zigeuner zu sagen, ok vielleicht klappt es, jedoch ist fraglich was mit den
Namen zu geschehen hat, welche bis jetzt das Wort Zigeuner beinhalteten.
Wollt Ihr allen Ernstes, dass der Zigeunerbaron in Folge Roma und Sintibaron
heißen muss ? Zigeunermusik dann Roma und Sintimusik und und und Schon allein die Tatsache, dass der Grossteil der Alten, auf
die Frage was sie seien, antworten sie, Zigeuner und erst danach erklären ob
sie Roma oder Sinti sind, zeigt uns, dass dieses Wort kein Schimpfwort sein
kann. Ja die Alten waren immer schon schlauer als die Jungen, denn
was sollten die Gadje mit der Bezeichnung Roma und Sinti anfangen ? Versucht doch mal einem Gadjo zu erklären, was Ihr seid, ohne
das Wort, Zigeuner, zu verwenden, na seht Ihr; geht nicht und so lange das
nicht geht, sind wir eben Zigeuner.“ (unter:
http://www.forumromanum.de/member/forum/forum.php?action=ubb_show&entryid= 1087245622&mainid=1087245622&USER=user_284736&threadid=2#)
Der mittlerweile verstorbene
österreichische Lovari Karl Stojka (in: Karl Stojka/ Reinhard Pohanka: „Auf
der ganzen Welt zu Hause – Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka“,
Wien 1994, S.7): „Ich bin ein Zigeuner. Ein Rom vom
Stamme der Bagaretschi. Mein Vater war Zigeuner, meine Mutter und meine ganze
Familie waren Zigeuner."
Ein Lovari der jüngeren Generation
(Willibald, der Sohn von Ceija Stojka), im Beiheft zum Film von Karin Berger:
„Ceija Stojka – Porträt einer Romní“: „Wir sind nicht böse, daß wir Zigeuner genannt werden. Wir sind
ja Zigeuner. Ich will auch gar nichts anderes sein. Jetzt sagen sie Rom oder
Roma oder Sinti oder was weiß ich! Keiner kennt sich mehr aus.“
Der burgenländische Rom Stefan
Horvath aus Oberwart (in: Otto Reiter: „’Zigeuner ist für mich ein
Ehrentitel’ – Anmerkungen zum Special ‚Roma Reigen’“, in: filmarchiv –
Mitteilungen des Filmarchiv Austria, H.46 <7-10/2007>, S.24-26, ebd.
S.26): „Ich bin ein burgenländischer Zigeuner und stolz darauf. Viele
nennen sich jetzt Roma, Sinti oder irgendwas, weil sie sich dadurch Geld und
Anerkennung erhoffen. Ich bin als Zigeuner geboren und für mich ist das ein
Ehrentitel.“
Stefan Krulle in einem
Zeitungsartikel (die Welt, 15.4.2008) über den rumänischen Roma-Musiker
Damian Draghici: „Damian ist Musiker, und was für einer. Noch enthusiastischer
ist er nur ‚Gypsy’, wie er selbst sein Volk nennt. ‚Roma’, das Wort mag er
nicht. ‚Zigeuner’ wiederum, das mögen wir nicht gerne, aus gutem Grund. Also:
Gypsies.“ (unter: http://www.welt.de/welt_print/article1902570/Trunkenem_Ueberschwang_verpflichtet.html) Wer ist „wir“? Doch offensichtlich
Nicht-Zigeuner wie der Artikelschreiber. Noch deutlicher kann kaum
demonstriert werden, worum es geht: Zigeuner haben meist nichts gegen die
jeweiligen Fremdbe-zeichnungen; es sind Nicht-Zigeuner, die bestimmen wollen,
daß ein Zigeuner nicht Zigeuner genannt werden darf und versuchen diese
verquere Sprachregelung auch Zigeunern aufzunötigen. Was wohl der „gute
Grund“ dafür sein mag? Ein schlechtes Gewissen? So billig will man sich eines
schlechten Gewissens entledigen?
Der Journalist Rolf Bauerdick
berichtete (in: Die Welt, 12.1.2012) von rumänischen Zigeunern, die sich par
tout nicht als „Roma“ bezeichnet wissen wollten und darauf bestanden,
„Ţigani“ zu sein: (unter: http://www.welt.de/kultur/history/article13811031/Wir-sind-Zigeuner-und-das-Wort-ist-gut.html) In den zahlreichen Kommentaren der
online-Ausgabe der „Welt“ zu diesem Artikel kommt zum Ausdruck, daß viele
Leser den Zwang zur „politischen Korrektheit“ leid sind und es begrüßen, daß
die Diskrepanz zwischen Realität und Propaganda klar angesprochen worden ist. Bauerdick ist immer wieder darauf
gestoßen, daß die Behauptungen einige Gutmenschen und „Aktivisten“, wie
schlimm doch die Fremdbezeichnung (in welcher Sprache auch immer) „Zigeuner“
sei, sich überhaupt nicht mit seinen langjährigen Erfahrungen mit Zigeunern
deckten. (siehe auch: http://www.welt.de/kultur/article12158567/So-sind-sie-halt-die-Zigeuner.html) (Aufruf vom 13.1.2012)
Sinti aus dem Ravensburger Viertel
Ummenwinkel werden zitiert mit (in: Florian Lindemann: „Die Sinti aus dem
Ummenwinkel – Ein sozialer Brennpunkt erholt sich“, Weinheim/ Basel 1991,
S.35): „Der Begriff ‚Zigeuner’ hat im Ummenwinkel nicht automatisch
denselben unangenehmen Beige-schmack, wie ihn uns Deutschen das schlechte
Gewissen vor der Geschichte üblicherweise aner-zogen hat. Sie nennen sich
hier alle selber so.“
Der mit einer türkischen Romni
verheiratete Mozes F. Heinschink schreibt in seinem Aufsatz: „E Romani
Čhib – Die Sprache der Roma“ (in: M.F. Heinschink/ Ursula Hemetek
[Hrsg.]: Roma – das unbekannte Volk, Schicksal und Kultur, Wien u.a. 1994,
S.110-128, ebd. S.110, Anm.1): „Obwohl mir bewußt ist, daß diese Bezeichnung vielfach von den
Betroffenen abgelehnt wird, wird in Ermangelung eines Besseren ‚Zigeuner’ als
Sammelbegriff für alle Roma- und Sinti-Gruppen verwendet.“ Dennoch hat
Heinschink (wenn auch nicht allein) das Buch mit „Roma“ betitelt.
Die Sinti Allianz Deutschland e.V.
(Sitz in Köln) schreibt auf Ihrer Webseite (Stand 12.7.2004): „...Die Bestrebungen einiger Vereinsfunktionäre, die
Eigenbezeichnung Sinti und die Eigenbe-zeichnungen der anderen Zigeunervölker
wie Manusch, Kale (Gitanos) u.a., sowie den historisch gewachsenen neutralen
Sammelbegriff Zigeuner aus politischen Gründen durch Sinti und Roma bzw. nur
Roma zu ersetzen, werden von den Angehörigen der unterschiedlichen, den Sinti
oder Roma nicht angehörigen Zigeunervölkern, abgelehnt. Will man alle Zigeunervölker gleichermaßen achten und würdigen,
muß deren Eigenbezeichnung berücksichtigt werden, sofern die Nennung der
ethnischen Herkunft als notwendig erachtet wird. Sollte einem Außenstehenden die Eigenbezeichnung nicht bekannt
sein oder die Aufzählung aller Volksbezeichnungen an der Vielfältigkeit
scheitern, kann man mangels eines von allen Zigeunervölkern akzeptierten
neutralen Überbegriffs, auf die Jahrhunderte alte Bezeichnung Zigeuner,
sofern sie wertfrei benutzt wird, nicht verzichtet werden. ...“ (unter:
http://www.sintiallianz-deutschland.de/sintiunfroma.html [sic !])
Der Kölner Sinti-Musiker Markus
Reinhardt in einem Interview mit der Tageszeitung „Neues Deutschland“ vom
28.8.2010 (Lutz Debus: Vielleicht wird der Sohn berühmt): „’ Wir sind Zigeuner!’ Markus Reinhardt singt diesen Satz fast.
... Mit seiner Terminologie verstößt er bewusst gegen den offiziellen
Sprachgebrauch auch des Zentralverbandes der Sinti und Roma. Es gebe in
Europa noch andere Untergruppen, nicht nur Sinti und Roma, erklärt Reinhardt.
‚Ihr Linken habt immer Probleme mit dem Wort, sagt Sinti und Roma zu uns.’
Völliger Quatsch sei diese Wortakrobatik. Er habe sogar ein Lied
veröffentlicht, das sich diesem Thema widmet. ...“ (in: http://www.neues-deutschland.de/artikel/178412.vielleicht-wird-der-sohn-beruehmt.html?sstr=Markus|Reinhardt)
(Aufruf vom 2.10.2010)
Die als „Frau Europas 2001“
ausgezeichnete Sintizza Philomena Franz benutzt die verschiedenen Begriffe
nebeneinander bzw. den einen als Untertitel des anderen, z.B. in Ihrem Buch
„Zwischen Liebe und Haß – Ein Zigeunerleben“ (Freiburg u.a. 1985, S.8): „Ich habe dieses Buch als Zigeunerin
geschrieben. Als Zigeunerin vom Stamm der Sinti.“ Und an anderer Stelle (in: Barbara
Bönnemann: „Rom heißt Mensch – nicht Mensch zweiter Klasse“, in: Süddeutsche
Zeitung, 30.03.2002, S.RÖM 6): „Ich habe mit dem Wort ‚Zigeuner'
keine Probleme, es kommt immer darauf an, wie man es ausspricht.“ |
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Paper delivered at the “1. International Roman Symposium” Trakya Üniversitesi, Edirne (Turkey), May
7-8, 2005 Gypsies (Tsiganes, Zigeuner, Çingeneler …)
or “Roma” (“Sinti & Roma”) Some Reflections about
“Political Correctness”
with special
reference to Germany If I remember correctly, the name of this symposium
initially had “Gypsies” in its title; later on this was changed to “Roman”.
This “development” is actually the subject of my contribution today. In many countries, especially western ones – and for
the last few years in Turkey, too – efforts have been made over the past
three decades to assert and push through a new “political correctness” by
renaming “Gypsies”, “Tsiganes”, “Cigani”, “Zigeuner”, “Çingeneler” and so
forth as “Roma” (“Romanies”) or “Sinti and Roma”, the specific usage
“designed” for Germany and the German language. I want to discuss here the
reasons for this “language reform”and its implications. To make it clear at the very beginning: I belong to
those, who think it more appropriate to keep the specific (outsider) terms of
the majority populations for Gypsies, as they have been used for centuries. The main points put forward when asking outsiders to
use the designation “Roma” can be summarized as follows: 1. Reference is generally made to the First Romani
World Congress in London in 1971 and its decision that from then on all the
Gypsies of the world should be called “Roma”. 2. It is obviously perceived as a kind of “natural
right”, that the specific term used by the group itself is postulated to be
the only valid one. 3. Nearly all the foreign names for Gypsies are said
to be pejorative, discriminating and tainted with prejudice. 4. Concerning the traditional German word for
Gypsies (Zigeuner) it is argued that National-socialism brought the term into
discredit, although, at the same time, it is stated that the term has always
been pejorative. 5. Sometimes it is argued that the term “Roma” has
already become so colloquial, that persons who do not behave according to
what is thought to be politically correct, are labelled at least as backward,
if not as racist (or in Germany as Nazi). 6. When confronted with the fact that many Gypsies
themselves use the terms attached to them by their neighbours, it is put
forward that it would be different when Gypsies themselves use these, from
when outsiders do so. Let’s now discuss these arguments one by one. 1. At the First Romani World Congress in 1971 only
about two dozen “delegates”, apart from a few observers, are said to have
taken the far-reaching decision for several millions of Gypsies worldwide,
that they should thenceforth present themselves as “Roma”. Even when we take
later Romani World Congresses with more participants into consideration, the
legitimacy for such far-reaching decisions is rather weak. Nearly all Gypsy groups, to my knowledge, lack a
sense of larger trans-tribal units experienced in common, and solidarity
beyond clans, tribes, local or regional units is largely absent. Although
several organizations for Gypsies in different countries – which, by the way,
often incorporate foreign terms in their names – have been founded during
recent decades, they are not deeply rooted in the communities concerned.
Trans-national or even world organizations enjoy even less support from local
and regional groups. Rivalry between different persons or groups is still
widespread. 2. There are many Gypsy groups (especially Oriental
ones) who have never heard of the term “Roma” and many more who have their
own different designations (like Lom or Dom in Turkey). There is no
legitimacy or justification in attaching a “Roma” label to them. Besides,
this would contradict attaching the recognition of insider names that is
supposedly aimed at. By the way, the “original” term for Gypsies seems to
be “Dom”, rather than “Rom”. Of course, a problem arises when one really speaks
about Roma “proper” and not about Gypsies in general. Therefore one would
always have to explain whether one is using the term “Roma” in a broader or
narrower sense. We are in need for a term covering all different
Gypsy groups. And we have such terms in the specific languages. If it were demanded, that henceforward only insider
terms should be used worldwide, one can imagine what kind of confusion and
uncertainty would arise. Such a procedure is certainly not in the interest of
many ethnic groups and nations. For example: Germans are called Germans
although they call themselves “Deutsche” and although they are not the only
Germanic people. Although the Alemannen form just a small part (or tribe, if
you like) of Germans, all Germans are called “Allemands/ Almanlar” by, for
instance, French or Turks. Even “worse”, Germans are called “dumb” (Njemac,
Nemci and so forth) in Slavonic languages. Despite all these strange foreign
designations for Germans, I have not heard about any protest against them. It is much more “natural” that ethnic groups or
nations bear names different from those given to them by their neighbours.
Insider terms are often almost unknown to neighbouring groups, and quite
often the designations given by foreigners have some negative or at least
incorrect aspects. In this way we come to the next argument. 3. Gypsies have had a negative image for centuries,
regardless what they were called. Combatting discrimination cannot be done by
just attaching a different label. Prejudices are then very likely to be
transfered to the new name. Alongside with negative associations when thinking
about Gypsies, there were also positive, often romantic, associations
connected with them. “Gypsy music” is generally highly esteemed and
newspapers, which otherwise use the “political correct” term for Gypsies,
still write about “Gypsy music” (Zigeunermusik), since it has already become
a well-recognised label. In Germany several societies (generally connected
with the carnival) have named themselves “Zigeuner”; they would certainly not
have done so if the term had only a negative connotation. Not only is nothing (positive) gained by renaming,
but the moral pressure connected with this provides yet a further reason for
rejecting Gypsies. The establishment of taboos often provokes counter-
reactions. 4. It is certainly wrong to assert that the Nazis
brought the term “Zigeuner” into discredit. The Nazis had attached far more
negative aspects to the image of Jews than were associated with them before.
Nobody, however, would therefore demand that the name “Jude” be dropped in
German. As some of you may know, the federal government of Germany
plans to errect a memorial for the Gypsy victims of the Nazi terror in
Berlin. Since the “Zentralrat Deutscher Sinti und Roma” (Central Council of
German Sinti and Roma) is fighting fiercely against the term “Zigeuner” in
the inscription of the memorial, an oppositional Sinti group is defending the
term. In order to counter the argument that Nazis had discredited the name
and as a compromise, the responsible state minister of cultural affairs
proposed to have the inscription in English and then use the term “Gypsies”. It is just folk-etymology to trace the word
“Zigeuner” back to “Ziehgauner” (a strolling crook). To use that as an
argument against the term is not simply ignorance: since similar terms (Cigan
and so forth) like “Zigeuner” are used in Slavonic languages, the term could
not possibly be derived from “Ziehgauner”. By the way, the special German usage “Sinti &
Roma” – in a global context itself an rather unusual designation for an
ethnic group (x and y connected with an “and”) – reflects the fact, that
Sinti don’t want to be lumped together with Roma and therefore don’t want to
be called by the same name. 5. The term “Sinti & Roma” in Germany has not
yet become so colloquial that the majority of the population could use the
terms correctly in grammatical terms (singular-plural, masculine-feminine) or
even know the difference between Sinti and Roma. Thus newspapers very often
write quite incorrectly about “Sinti and Roma” when refering to some Gypsies
or even to countries where hardly any Sinti live. “Zigeuner” have their position in German folklore
and culture as they certainly have in other countries, too. One cannot
replace the term “Zigeuner” in proverbs, sayings, songs, geographic names
etc. by “Sinti & Roma”. One would make Gypsies much more alien by calling
them “new names” than they have been hitherto. When in historical documents “Zigeuner” occur, one
cannot declare them to be Sinti, Roma or Sinti and Roma. Sometimes the term
“Zigeuner” is also used for Gypsy-like groups (for instance the Jenische). 6. Just to give Gypsies (and not Gadje) the right to
call themselves by outsider names, would mean something like George Orwell’s
“double-think”. Should “native speakers” who had “invented” the terms
“Gypsies”, “Zigeuner” and so forth, not be allowed to use a word of their own
language, while others should ? This is certainly not easy to explain to the
average citizen. The arguments discussed above were those generally
brought forward in connection with the subject. But there are certainly other
reasons which are not uttered openly. Perhaps the fighters for “political
correctness”, both among Gypsies and Gadje are not even fully aware of them. One of the reasons seems to be to gain or exercise
power. An ethnic minority (Gypsies) and a political minority (persons with an
anti-authoritarian ideology and a strong rejection of the “establishment”)
try to apply moral pressure in a field, where a “victory” seems easily to be
achieved. Besides the social-psychological explanations for such behaviour, a
victory, in the case of Gypsy organizations, is thought to be a means of
gathering more followers. A strengthened organization has a better chance,
for example, to obtain financial resources. I would like to finish my contribution with a
quotation from a collection of essays by the German-Romanian writer Herta
Müller („Der Staub ist blind – die Sonne ein Krüppel. Zur Situation der
Zigeuner in Rumänien“, in: „Hunger und Seide“ (Reinbek bei Hamburg 1997,
p.153, my own translation): „I went to Romania with the word „Roma“, used
it at the beginning during conversations and encountered a lack of
understanding everywhere. ‘The word is hypocritical’, I was told, ‘we are
Gypsies, and the word is good, as far as we are treated well.’” A struggle against discrimination needs much energy.
One should not waste energy on a battle about or against words, especially
when the arguments in favour are rather weak. A slightly revised version of this paper (Rüdiger Benninghaus:
“Gypsies or ‘Roma’?”) is printed in: City – analysis of urban trends,
culture, theory, poliy, action, vol.14. no.6 (Dec.2010), pp.643-646. |
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Fotos und Text (soweit nicht andere Urheber vermerkt sind) © Rüdiger Benninghaus
Seite begonnen am 16. März 2004 erweitert am 15. Januar 2012 |
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