Über Herstellung, Gebrauch und Verbreitung

der şal û şapik-Männerkleidung in Türkisch-Kurdistan

 

Production, Usage, and Diffusion

of the şal û şapik Men's Costume in Turkish Kurdistan

 

Türkiye Kürdistan'ındaki şal û şapik Erkek Kiyafetinin

İmalatı, Kullanımı ve Yayılışı

 

 

 

 

Rüdiger Benninghaus

Da es sich noch nicht bei allen Kurden herumgesprochen hat, sollte zunächst festgestellt werden, daß es keine kurdische „Nationaltracht“ gibt, noch nicht einmal in Türkisch-Kurdistan. Sowohl traditionelle Männer- wie auch Frauenkleidung wechseln (natürlich) von Gegend zu Gegend. Wer trotzdem so etwas behauptet, wie besonders aus bestimmten politischen Kreisen zu hören, leugnet die Vielfalt in der kurdischen Kultur, sei es absichtlich (mit ideologischer Zielsetzung) oder unwissentlich.[1]

Nun wird/ wurde allerdings ein Kleidungstyp von offizieller türkischer Seite als „typisch kurdisch“ angesehen, mit der Konsequenz, daß man versuchte, das Tragen dieser Kleidung so weit wie möglich zu unterdrücken. Es handelt sich um die von den Kurden, Chaldäern und Nestorianern şal û şapik (auch kurz: şal şapik oder şal şepîk),[2] von den Kurdistani Juden şalla şappikta [3] genannte Männerkleidung, die meist (vor allem in Türkisch-Kurdistan) aus Mohair (Angora-Ziegenhaar, Türk.: tiftik, Kurd.: çûr/ meres) hergestellt wird und aus drei Teilen besteht: weite Hose (Kurd.: şal, Chaldäisch: şela - nicht mit den şalvar, den Pumphosen zu verwechseln, die andere Schnitte haben), <Abb.1> vorne offene, knopflose Jacke (şapik – bedeutet im Kurdischen und Armenischen eigentlich ‘Hemd‘; Chald.: şapikka) und darüber eine Weste (yelek, êlek, Chald.: hêlekê).[4] Weniger häufig ist das Synonym peşme û berguz (bergûz).

Eine Volkstanzgruppe in Van hatte bis zum Jahre 1980 şal û şapik getragen; danach mußte sie, um an den beliebten Volkstanzwettbewerben teilnehmen zu können, mit einer Kleidung auftreten, die mehr oder weniger ein Phantasiekostüm war.[5] Dies wurde damit begründet, daß şal û şapik nicht die Kleidung von Van wäre. Diese Behauptung soll von dem türkischen Volkskundler Sadi Yaver Ataman aufgestellt und von örtlichen „Experten“ in Van (z.B. Fevzi Leventoğlu) aufgegriffen und durchgesetzt worden sein. So hat man vor ein paar Jahren (vielleicht heute auch noch) ein Exemplar eines şal û şapik im „Museum des Gebietes von Van“ vergeblich unter den dort ausgestellten Ethnographica gesucht.

Andererseits konnten Tanzgruppen, die etwa in Ankara oder Istanbul mit Tänzen aus Van auftraten oder auch solche in Hakkâri und Başkale (Provinz Van – hier offenbar nur unter Schwierigkeiten) şal û şapik tragen.

Bei Tanzgruppen, die etwa Tänze aus Bitlis <Abb.2> oder Muş, wo ebenfalls şal û şapik die traditionelle Männerkleidung ist (war), scheint es derartige Probleme, soweit bekannt, nicht gegeben zu haben.

Was das tragen dieser Kleidung in der Öffentlichkeit außerhalb einer Tanzveranstaltung bzw. außerhalb einer Tanzgruppe angeht, so war der Druck, dies zu unterlassen, je nach Gegend unterschiedlich groß. Waren die Träger junge Kurden, so war die Gefahr, von den Sicherheitsbehörden unter dem Vorwurf des Separatismus aufgegriffen zu werden, größer als bei älteren.

Repressalien hatten teilweise auch Schneider in manchen Gegenden (Beispiele sind aus Uludere/ Prov. Şırnak und Yüksekova/ Prov. Hakkâri bekannt) zu befürchten, wenn sie derartige Kleidung schneiderten. Ähnlich läßt sich übrigens auch über die in Teilen der Provinzen Hakkâri, Van und teilweise Şırnak getragene, als „Peşmerga-Kleidung“ bekannte, in dem Gebiet tirgal genannte, zwei- oder dreiteilige (mit bzw. ohne Weste) Männerkleidung sagen.

Die frühere Verbreitung der şal û şapik-Kleidung in Türkisch-Kurdistan scheint sich grob etwa auf das Gebiet östlich einer gedachten Linie Cizre-Siirt-Muş und südlich einer Linie Muş-Van jeweils bis zur iranischen bzw. irakischen Grenze – also mit dem Botan-Gebiet als Zentrum – beschränkt zu haben; möglicherweise jedoch auch noch nördlich <Abb.3> des Van-Sees.[6]   

Heutzutage findet man şal û şapik in der Alltags- oder zumindest der Festtagskleidung vor allem in den Provinzen Şırnak und Hakkâri und dem südlichen Teil von Van, daneben aber auch in Irakisch- und Iranisch-Kurdistan.

Das langsame Verschwinden dieser Kleidung in Türkisch-Kurdistan geht einher mit dem Fortzug der letzten Weber. Möglichweise gibt es jetzt außer vielleicht ein, zwei Männern niemanden mehr, der den Mohairstoff webt. Eine Firma in Şırnak („Geliş El Sanatları“), die noch vor ein paar Jahren den Stoff weben gelassen und vermarktet hat, <Abb.4> mußte ihre Arbeit einstellen. Obwohl in einem Katalog einer entsprechenden Unterabteilung des Industrie- und Handelsministeriums der Türkei dieser Betrieb aufge-führt wurde, hat der Staat offenbar nicht vor, etwas gegen das Aussterben dieses Handwerks zu tun, wie er es in anderen Bereichen (z.B. Teppichknüpferei, Kelimweberei, Fayencen-Herstellung u.a.m.) prak-tiziert.[7] Ob das politische Gründe hat oder Unkenntnis der Situation bzw. Desinteresse ist, sei dahin-gestellt.

Während vor etwa einem guten Jahrzehnt neben der Stadt Şırnak[8] Mohair-Weberei noch in drei Dörfern des Kreises Silopi (Prov. Şırnak), und zwar in Aksu (alter Name: Herbol, Chaldäer), Kösralı (Hassana/ Hassena, Chaldäer und Süryani, syrische Christen verschiedener Konfession)[9] und Görümlü (Bespin, Kurden und Chaldäer) betrieben wurde, soll es heute möglicherweise nur noch ein kurdischer Weber in Bespin (sporadisch ?) tun.

Das Klacken der Webstühle war ein typischen Geräusch in diesen Dörfern. <Abb.5>

Die Weberei von şal û şapik wurde in Türkisch-Kurdistan zuletzt ausschließ-lich von Nichtmuslimen, vor allem chal-däischen und armenischen Christen bzw. (in der Stadt Şırnak) auch von zum Islam konvertierten Armeniern ausgeübt.[10] In Irakisch-Kurdistan (besonders Zakho) waren es auch Juden, die die Mohair-Weberei betrieben haben. Die Kurden haben es – bis heute – als eine Arbeit der Gâvur oder Fila (ungläubige, Nicht-muslime) angesehen, mit der man sich als Muslim und Kurde nicht abzugeben habe. Vor einigen Jahren hatte in Bespin ein Kurde Interesse bekommen, die Weberei zu erlernen und hat sie bis zu dem Zeitpunkt betrieben, als ihn andere Muslime einmal mit dem Gruß angeredet hatten, den die Christen verwenden; das hat ihn veranlaßt, das Handwerk wieder aufzugeben. Allerdings soll später ein anderer Kurde in Bespin die Weberei erlernt haben und sie möglicherweise bis heute noch betreiben.

Das Dorf Herbol ist von den letzten Christen 1990 verlassen worden, Bespin wohl auch in jenen Jahren. Hassena ist ein Opfer der PKK im Verein mit den türkischen Sicherheitskräften geworden. Es ist 1993 entvölkert und bombardiert worden und gehört heute zu einem militärischen Sperrgebiet. Der letzte christliche Armenier in Şırnak hat Ende der 1980er/ Anfang der 1990er Jahre den Ort verlassen, ebenso wie einige konvertierte Armenier.

Die meisten Chaldäer der Türkei leben heute am nördlichen Rande von Paris, in Sarcelles und Nach-barorten (schätzungsweise 17.000) und in Brüssel (einige Tausend).[11] In Deutschland leben nur relativ wenig Chaldäer über das Land verstreut, vielfach dort, wo auch Süryani leben.

Einige Chaldäer in Antwerpen sollen vor wenigen Jahren mit Unterstützung belgischer Institutionen quasi als Museumsbetrieb die Weberei wieder aufgenommen haben.

Nicht alle in den letzten Jahren noch im Botan-Gebiet existierenden chaldäischen Dörfer haben die şal-Weberei betrieben. In Cevizağacı (Geznax) soll keine, in Kovankaya (Mêri/ Mehri, beide Dörfer im Krs. Beytüşşebap, Prov. Şırnak) nur wenig, in Doğan (Bazyan, Krs. Uludere) wenig, in Onbudak (Şi/ Şiyi, Krs. Uludere) gar keine ausgeübt worden sein, da diese Dörfer hauptsächlich von Viehwirtschaft gelebt haben. Über die chaldäischen Dörfer Bağpınar (Cinit) und Yukarı Diran (beide Krs. Şırnak) liegen keine Informationen vor.  

Darüber hinaus soll noch vor wenigen Jahrzehnten in den Kreisen Mutki und Hizan (Prov. Bitlis), Çatak (Şatax) und Bahçesaray (Müküs/ Moks, beide Prov. Van) Mohairweberei existiert haben.

Für Ende des 19.Jahrhunderts gibt die Statistik der Mohair-Produktion einen Hinweis auf die Verbreitung und Bedeutung der Mohair-Weberei, wobei das Mohair allerdings nicht immer zu şal-Stoff verwoben wurde.

So wurden für das damalige Vilâyet Van 90 Mohair-Webereien mit 270 Beschäftigten erfaßt, deren Produktion 6.000 Stück şal (?) betrug, von denen 2.000 exportiert wurden.[12] Im Sancak Hakkâri wurde zu der Zeit (pro Jahr ?) 30.000 kg Mohair produziert (soviel wie auch im Sancak Van) und im Sancak Mardin 230.000 okka Mohair, von dem nur 45.000 okka dem Eigenverbrauch diente, der Rest wurde exportiert.[13]

In den letzten Jahren vor dem Ende der Weberei wurde vor allem ins nahe Irakisch-Kurdistan şal-Stoff oder fertige şal û şapik „importiert“ (geschmuggelt).

Şal û şapik wird nicht nur von den Kurden <Abb.6-8> getragen, sondern auch von den Chaldäern selbst (und, außerhalb der Türkei, von Nestorianern, Armeniern[14] und Kurdistani Juden,[15]). Aus dem Dorf Herbol wird berichtet, daß besonders an Ostern die Männer in eine Art Wettstreit getreten sind, wäre denn den schönsten und wertvollsten şal û şapik trug.

Das Mohair-Ziegenhaar bekamen die Weberfamilien aus der Umgebung, d.h. vor allem von; denn die wenigen Ziegen, die sie hielten, konnten den Bedarf nicht deckten. Besonders aus der Gegend von Midyat wurde dunkelbraunes Ziegenhaar bezogen, was diesen şal û şapik die Bezeichnung gewra Midyadê (Kurdisch: ‚Midyat-Braun‘) einbrachte.

Das gereinigte Angoraziegenhaar wird, sofern man es nicht in seiner natürlichen Farbe beläßt (braun, weißlich, cremefarben, selten grau oder schwarz) mit chemischen oder natürlichen Farben gefärbt, was eine Arbeit der Frauen ist. In letzter Zeit wurden offenbar im wesentlichen nur noch Brauntöne aus Naturfarben (z.B. aus Walnußschalen) erzeugt.

Das Verspinnen des Mohairs (Chald.: qaj) zu sehr dünnen Fäden (Chald.: izla) ist eine Spezialität der chaldäischen Frauen <Abb.9-11>; die Kurdinnen sollen es zu solch einer feinen Qualität nicht bringen. In den Chaldäer-Weberdörfern sah man häufig Frauen auf erhöhten Stellen, z.B. hohen Bachufern, Bäumen, den flachen Hausdächern, manchmal auch durch ein Loch im Fußboden, das in den Stall hinunter führt, mit Spindeln (Chald.: kuşa) hantieren, die man möglichst tief tendeln lassen wollte.

Das Fadenmaterial wird, bevor man es weiter verarbeiten (z.B. auf den Webstuhl spannen) kann, mit einer klebrigen Masse bearbeitet, die die Festigkeit erhöht; ohne diese würden die sehr feinen Fäden sofort reißen. Der Klebstoff wurde aus einer Pflanze gewonnen, die auf Chaldäisch şiwelta und auf Kurdisch stir(h)êk genannt wird – wahrscheinlich ein Wolfsmilchgewächs  (Löwenzahn ?) – und in der Umgebung (aber nicht nur dort) wächst.[16] Die Wurzeln werden zerkleinert und mit kaltem Wasser gemischt. In dem klebrigen Wasser wird das gesponnene Fadenmaterial vorsichtig hin- und hergerieben. Nachdem dann das Fadenmaterial getrocknet worden ist, kann es verwebt werden. <Abb.12+13>

Man webt für ein Männerkostüm durchschnittlich 17 arşûn (arşın -  'Elle', 1 arşûn entspricht etwa 70 cm, d.h. ca. 12 m) şal-Stoff, der nur eine Breite von etwa 30 cm hat.[17] Nach der Hälfte wird der Stoff vom Webbaum losgeschnitten und dann die zweite Hälfte gewebt. Auf die Hose entfallen neun arşûn, auf die Jacke sechs arşûn und auf die Weste zwei.  

 Für das Weben eines einfarbigen şal-Satzes benötigt man eine knappe Woche. <Abb.14+19> Für sê mekuk (Kurdisch – ‘drei’, mekuk ‘Weberschiffchen’, Chald.: mekka – mit drei Weberschiffchen gewebt) şal şapik <Abb.15> webt man etwa drei, für einen pênc mekuk (mit fünf Weberschiffchen) şal şapik, <Abb.16-18> dem wertvollsten, was zuletzt noch gewebt wurde, ca. vier Wochen.

Bei den und pênc mekuk şal şapik, die gestreift sind, werden an allen drei Kleidungsteilen mit kleineren Weberschiffchen bunte Verzierungen eingewebt, die auf Türkisch mit çiçek ('Blumen') zusammengefaßt werden, auf Chaldäisch jedoch nach Lokalität unterschiedlich heißen: qamqulwana (wörtlich: etwas neben, bei oder unterhalb der Hüfte) für die Verzierungen an den oberen Hosenbeinen (Oberschenkel), <Abb.18> tirfîya am oberen Teil des Ärmels (Oberarm) und zeca am (meist) unteren Rand der Weste.[18]

Das „Reißverschlußmuster“, das im allgemeinen bei und pênc mekuk der Länge nach durchgängig gewebt wird, heißt auf Türkisch gelin (eigentlich: 'Braut'), auf Chaldäisch k(y)alo (ins Kurdische über-setzt: bîkên şala). <Abb.23>

Der Weber, der etwas „besseres“ als einen einfarbigen Stoff webt, muß genau wissen, an welcher Stelle beim Weben welche Verzierung eingewebt wird.

Abgesehen vonund pênc mekuk şal şapik gibt es jedoch auch noch zumindest ein Muster, das sehr schwer zu weben ist und worauf sich zuletzt in Herbol nur etwa zwei Männer noch verstanden, das Barzani- oder sitrincî-Muster (mit zwei Weberschiffchen gewebt). <Abb.25>

Nachdem der Stoff fertiggewebt ist, wird er auf zwei etwa 8-9 cm breites Bleche (Chald.: tebikata) von der Länge der Stoffbreite gewickelt (gefaltet) und dann durchschnittlich 30-45 Minuten in heißem Wasser gekocht, bei sehr gutem Stoff jedoch nur etwa 20 Minuten, damit die dabei entstehenden Falzkanten nicht „brennen“ und dann später schnell reißen. Die Falzkanten, die noch weitere Ausprägung durch ein anschließendes Pressen in einem ausgehöhlten Baumstammstück (über Nacht) erhalten, <Abb.20> gehen später auch durch Bügen nicht mehr weg und lassen schon von weitem erkennen, daß es sich um einen „echten“ şal şapik handelt. <Abb.21> Die Behandlung mit Wasser, Hitze und Druck gibt dem Stoff einen seidigen Glanz und moharisierenden („Schlieren“ im Stoff) Effekt.

Manche der Weber können auch gleichzeitig die Kleidung schneidern. Es gibt jedoch auch in den Chaldäer-Dörfern und den Städten (z.B. Şırnak) „Vollzeit“-Schneider. Das Schneidern eines sê mekuk oder pênc mekuk erfordert natürlich mehr Erfahrung als das eines einfarbigen Kostüms.     

Hose und Jacke tragen, bis auf die Ärmel- bzw. Hosenbeinenden, kein Futter. Schlitze rechts und links an der Hose stellen keine Hosentaschen dar, sondern ermöglichen nur den „Zugang“ zu den Taschen der darunter getragenen Hose. Das Zusammennähen der schmalen Stoffbahnen unterliegt bestimmten Regeln, die für europäisches Schneiderei-Verständnis vielleicht merkwürdig anmuten.[19] Zuerst wird die Hose genäht, dann die Weste und schließlich die Jacke. Da die unteren Ränder der Jacke in der Hose bzw. unter der Weste verschwinden, kann sie auch hinten manchmal etwas kurz ausfallen; auf jeden Fall gibt man sich wenig Mühe mit einem graden unteren Kantenabschluß. Bei der Jacke gibt es auf den Schultern keine Naht, sondern der Stoff wird von vorn über die Schulter nach hinten geführt. Bei den Ärmeln näht man den Stoff nicht etwa der Länge nach von Schulter Richtung Hand, sondern man setzt zwei Stoffbahnen aneinander, so daß sich bei gestreiftem Stoff Quer- und nicht Längsstreifen ergeben.

Hersteller von Folklorekostümen in Ankara oder Istanbul, die ein gestreiftes Stoffimitat verwenden, kennen offensichtlich nicht die traditionelle Art des Schneiderns, so daß man hier die Ärmel mit, im Vergleich zum Original, häßlichen Längsstreifen sieht. Dabei dürfte wohl auch die Idee von einem rationellen Umgang mit dem Stoff im Vordergrund stehen.[20]

In Irakisch-Kurdistan hat man teilweise statt des Mohairs auch Fadenmaterial aus einem Baumwoll-Synthetik-Gemisch (Fabrikware) verwoben, welches ma'mal genannt wird. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre hat man auch in Herbol (und wohl auch den anderen beiden Weberdörfern der Umgebung) aus ma'mal-Material şal û şapik gewebt, was schneller ging (etwa zwei Tage) als mit Mohair.

Etwa zwischen 1975 und 1983 betrugt die şal-Produktion in Herbol durchschnittlich ca. 60-100 einfarbige Sätze Stoff pro Tag. Für Şırnak wird berichtet, daß an einem Webstuhl pro Monat 8-12 Satz şal-Stoff gewebt worden sind.[21] 

Um 1988 mußte man für ein genähtes Kostüm einfacher Webart (Bekîr Begî, s.u.) umgerechnet etwa 110,--DM in Şırnak zahlen, für einen sê mekuk oder pênc mekuk, die nur auf besondere Bestellung angefertigt wurden, je nach Ausführung mehrere hundert DM. Einfach gestreifte şal şapik (meist weiß-dunkelblau; Bekîr Begî oder kerani genannt) <Abb.24> ohne Verzierungen dagegen wurden (besonders auch für Volkstanzgruppen) auch ohne Sonder-bestellung häufiger gewebt.

Die şal-Stoffe wurden teilweise in verschiedenen Läden in Cizre verkauft, andere an den Vermarkter in Şırnak oder an Einzelkunden (meist auf Bestellung) in der Umgebung, andere auch in den Irak gebracht und dort verkauft. 

Für die verschiedenen Farben des şal-Stoffes hat man meist kurdische Bezeichnungen:

Ein brauer şal wird pişpaz (oder: pişt pes) genannt, ein violetter binevşî, ein hellblauer semoyî/ semavî oder aravî (Kurd.; Chald.: çênî), xiwara (Chald.) waren weiß, dirêlî (gewra dirêli) braun mit verschiedenen dünnen Streifen, şixwî schwarz-blau, kixma/ kexma (Chald.) fast schwarz. Nach Art der Streifen und der Mode der jeweiligen Gegend unterscheidet/ unterschied man u.a.: Tîyarîanî (nach der Landschaft Tîyarî im Hakkâri-Gebiet, dünne Streifen), Sûwarkî (ähnlich wie Tîyarîani), Berguz (Hakkâri), Botanî (breite Streifen, Botan-Gebiet), Şirnaxî oder Zaxoyî (weiß mit zwei breiten beigen Streifen, in denen wiederum verschiedene dünnere Streifen gewebt sind, nach den Städten Şırnak und Zakho), Barzanî (nach Mila Mustafa Barzanî, dem dieses Muster besonders gefallen haben soll, Chald. auch sitrincî genannt). <Abb.22-27+29>

Der şal şapik wird über eine andere Hose (z.B. şalvar) getragen, wobei die Form des şal besser zur Geltung kommt. Da der Stoff dünn und empfindlich ist, trägt man den şal şapik nicht zur Arbeit. Manchmal sieht (sah) man im Alltag auch, daß Männer Teile verschiedener şal şapik kombiniert tragen/ trugen, wenn ein Teil verschlissen war. <Abb.31>

Für mehr Wärme sorgt im Winter eine auf Kurdisch kerîk (oder: çoxîk) genannte Weste aus verfilztem braunen Wollstoff, der in Streifen aneinander genäht ist. <Abb.32>

Zu einem “anständigen” Kostüm gehört ein Leibgurt verschiedener Art und Form. Da gibt es dicke, aus Ziegenhaar und bunten Fäden gewebte, ca. 15 cm breite (eigentlich 30 cm; er wird der Länge nach gefaltet und mit der offenen Seite nach oben – um noch als Tasche für verschiedene Kleinigkeiten zu dienen – angelegt) şaleme/ şalim genannte Leibgurte, die in Dörfern der Provinz Hakkâri hergestellt werden (wurden ?). Manche Männer bevorzugen ähnliche, jedoch weichere Leibgurte, die aus Iranisch-Kurdistan stammen. Weiterhin finden manchmal auf Türkisch çit kuşağı (im nördlichen Irakisch-Kurdistan: şîtîk) genannte Leibgurte Verwendung, die aus dünnem, etwa 4 m langem Stoff (aus Seide oder Synthetik) bestehen und so angelegt werden, daß vor dem Bauch der Stoff wendet, so daß etwa vier, fünf einfache Knoten (Schlaufen) übereinander liegen. <Abb.30>

Um die Ärmel zu schonen, legt man bei bestimmten Gelegenheiten, ähnlich wie an den Ärmeln der Frauenkleider (hier allerdings mit dem Kleid verbunden), meist aus weißem Stoff genähte, auf Kurdisch levendi genannte „Stulpen“ an, die eine ca. 40-50 cm lange Verlängerung haben. Diese läßt man besonders beim Tanzen frei hinunterhängen; ansonsten werden sie um den Unterarm gewickelt. 

Über Kopfbeckung und traditionelles Schuhwerk in der Männerkleidung des behandelten Gebietes soll hier nicht weiter eingegangen werden, da es über das eigentliche Thema etwas hinaus geht.

Es dürfte wohl ein frommer Wunsch bleiben, daß diese schöne, handwerklich interessante und nicht zuletzt gesunde Bekleidung noch weiterlebt. Zumindest könnte in Europa von den Chaldäern der Versuch gemacht werden, die Weberei wiederzubeleben und Mohairstoffe für die haute couture zu produzieren, aus der dann westliche Kleidungsstücke geschneidert werden können.  

 

 

 


 


 

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[1] S. z.B.: Anonymus o.J., Kap.II.1: „1945 wurde die kurdische Nationalkleidung, der Sal Sapik, verboten, ...“. Bei AZIZ 1999, S.58 wird dafür 1946 angegeben. Ob es tatsächlich solch ein formales Verbot gegeben hat, konnte nicht überprüft werden.  O’SHEA (1996, S.135) kritisiert ebenso die falsche Auffassung einer „Nationalkleidung“.

[2] Als Umschrift für sowohl das Kurdische als auch das Chaldäische wurde hier das dem türkischen Alphabet angenäherte kurdische Alphabet (in Lateinschrift für Türkisch- und Syrisch-Kurdistan) verwendet. Da der Verfasser vom Chaldäischen gar keine und vom Kurdischen nur rudimentäre Kenntnisse hat, können weder Fehler in der Umschrift ausgeschlossen werden, noch eventuelle Verwechselungen von chaldäischen und kurdischen Begriffen, sofern die Informanten derartige Verwechselungen selbst vorgenommen haben. Wenn hier vereinfacht von „Chaldäisch“ die Rede ist, so ist damit die heutige neuostaramäische Umgangssprache der chaldäischen Christen gemeint, die sie selbst Sūrit/ Sūrît/ Suwadaya nennen. Zum neuaramäischen Dialekt von Hassana s. JASTROW 1997. 

[3] SHWARTZ-BE'ERI 2000, S.69.

[4] Für ein Buch, das sich vornehmlich mit kurdischer Kleidung beschäftigt, wie das von CRIEL/ JAMIL (1995, S.21) ist es peinlich, wenn dort şal mit 'Weste' und şapik mit 'Hose' übersetzt wird. Der Peinlichkeiten nicht genug, die verschiedentlich in dem Buch abgebildeten Kurden waren offenbar zum größten Teil nicht in der Lage, das Kleidungsstück richtig zu tragen (S.59, Abb.23 und S.87, 88 und 89; man hat offenbar zwei şapik übereinander getragen, dafür dann die Weste weggelassen. Nicht besonders schön auch die nachträglich aufgenähte grobe Verzierung an den Hosenbeinen.  Insofern kann man dem Urteil über das Buch: ”... is so authentic and clearly photographed as to make this rather small book a treasure to lovers of Kurdish costumes ...” (MEHO 1997, S.306) nicht zustimmen; allerdings ist es auch nicht richtig, daß in dem Buch nur zwei Männerkostüme (aus Adıyaman und Diyarbakır) dargestellt wären (ebd.).

Auch DZIĘGEL (1984/85, S.97) macht den Fehler, şal und şapik zu verwechseln.

SEYHAN (1991, S.130 f. und 231) gibt für şapik fälschlicherweise eine Variante çepik und (noch abwegiger) çepiç oder sepik (S.a54 und a71). Auch er übersetzt şepik unrichtig als ‘Weste’.

Bei O’SHEA (1996), deren Aufsatz ja kurdische Kleidung zum Thema hat, taucht die Bezeichnung şal û şapik merkwürdigerweise gar nicht auf. 

[5] Eine Abbildung dieses Phantasiekostüms u.a. bei ALPER 1986, S.95 (Abb. oben).

[6] Auf der Abbildung eines Sipkan-Kurden im Gebiet von Tutak (Prov. Ağrı) aus der Zeit um die Jahrhundertwende läßt sich eine Hose erkennen, die dem şal aus Mohair recht ähnlich sieht (LYNCH 1901, vol.2, Fig.115, zw. S.16 und 17). S.a. ASLAN 1990, S.19. Für Cizre und Umgebung wird şal û şapik als  d a s  Kleidungsstück bezeichnet (YAŞIN 1983, S.106).

[7] Küçük Sanayici ...1985 (unpaginiert) gibt eine kurze Beschreibung des Betriebes mit einem Foto der Produkte. 

[8] 1985 soll im Kreis Şırnak (wohl hauptsächlich in dem Städtchen) auf etwa 40 Webstühlen şal-Stoff ("Şırnak şalı") gewebt worden sein (ÖZKAN/ KARGI 1985, S.18).

[9] Über die Weberei in Hassana s. HOLLERWEGER 1999, S.278-285 (mit zahlreichen Farbfotos). Der türkische Name erscheint manchmal auch als Kösreli und auf der Karte fälschlich als Köseveli.

[10] Van BRUINESSEN (1989, S.34) erwähnt fälschlich nur Armenier als şal-Weber im zentralen Kurdistan. Über şal-Weberei bei Armeniern in Çatak (Şatax) in früherer Zeit s. LAYARD 1853, S.419, bei Nestorianern: CHEVALIER 1985, S.261-263 und DAVIS 1956, S.164. RUDOLPH (1959, S.73) spricht von „spezieller Stoffweberei“ der Armenier in Şırnak.

[11] Über den Exodus der Chaldäer aus der Türkei und ihre Migration nach Europa s. YACOUB 1995.

[12] CUINET 1892, S.677. Auch für den Sancak Erzurum (vol.1, S.191) wird Mohairproduktion berichtet.

[13] CUINET 1892, S.418, 658 und 679. Über die Mohairproduktion in noch frühere Dekaden des 19.Jhs liest man bei TAYLOR (1865, S.57): „... mohair, the produce of the Angora goats, that thrive so wonderfully in the neighbourhood of Jezireh, was eagerly sought after, and brought up by native traders from Kaiserieh and Constantinople, …”.  “… shallees made from mohair …; and the shallee, for texture and variety of colour and pattern, shows the extraordinary natural intelligence of the Kurdish workmen.” In letzterem dürfte sich TAYLOR irren; auch zur damaligen Zeit dürften nicht die Kurden, sondern die Nichtmuslime die „intelligenten“ Produzenten des şal-Stoffes gewesen sein – wie überhaupt die meisten handwerklichen Produkte der materiellen Kultur der Kurden nicht von diesen selbst, sondern eben von Nichtmuslimen stamm(t)en. Sei es aus Unkenntnis oder einem anderen, nicht ersichtlichen Grund, suggeriert MÜKÜS (1970, S.23), daß die Ertuşi-Kurden (in den Provinzen Hakkâri, dem südlichen Teil der Provinz Van und dem östlichen von Şırnak) die von ihnen getragenen "şel şepik" selbst hergestellt hätten.

[14] In früherer Zeit, als sie noch in Anatolien/ West-Armenien lebten (PATRIK 1983, S.59 f., 62 f., aus verschiedenen Teilen der heutigen Prov. Van).

[15] S.a. SHWARTZ-BE'ERI 2000, die einige schöne şal û şapik-Exemplare abgebildet hat (S.83, Abb.24 u. 26; S.149, Abb.16; S.150, Abb.22). Es sind zumeist Beispiele von Kurdistani Juden aus Zakho, dem „Klein-Jerusalem“ Kurdistans.

[16] Die Wurzeln können das ganze Jahr „geerntet“ werden. Die Blätter der Pflanze werden im Frühjahr auch gegessen

[17] Im Silopi-Gebiet, das viel şal-Stoff für den Irak produzierte, wo keine Westen getragen werden, webte man den Satz Stoff etwas kürzer als in Şırnak, wo der Stoff etwa 12,60 m Länge hatte (s.a. ÖZKAN/ KARGI 1985, S.18).

[18] Die hier wiedergegebenen Bezeichnungen sind im wesentlichen die, die in Herbol gebraucht wurden. Sie können von Gegend zu Gegend unterschiedlich sein. Es gibt/ gab natürlich auch noch viel reicher verzierte şal şapik, wo fast die gesamten Hosenbeine und Ärmel und auch die Weste Verzierungen aufweisen (s. z.B. bei RONDOT 1973, Fig.1 oder bei SHWARTZ-BE'ERI 2000, S.83, Abb.24; 150, Abb.22).

[19] Ein Schnittmuster für einen şal şapik findet sich bei RONDOT 1973, Fig.2.

[20] Ein eigentlich recht gutes Imitat wird in Gaziantep von den kutnu-Stoff-Webern seit einigen Jahren hergestellt. Es ist dunkelblau bis schwarz mit verschieden dicken weißen/ silbrigen Streifen. Der Stoff (manchmal meydaniye genannt) hat ebenfalls einen Mohair-ähnlichen Glanz, <Abb.28> wird jedoch, wie der kutnu-Stoff dummerweise mit einer Breite von 50 cm (statt 30 cm, wie beim şal-Stoff) gewebt, so daß sich beim Schneidern ohnehin andere Dimensionen ergeben. Man könnte zwar an beiden Seiten des Stoffes jeweils wieder 10 cm abschneiden, doch welcher Schneider macht das schon. Das Staatliche Volkstanzensemble (Devlet Halk Dansları Topluluğu), das ohnehin sowohl die Tänze als auch die Kleidung deformiert hat, tritt mit einer Bitlis-Männerkleidung auf, die Jacke und Hose der şal û şapik-Kleidung aus einem Imitat-Stoff beinhaltet und die Weste durch eine Phantasieweste ersetzt hat. <Abb.33> Aber auch die “Avangarde des kurdischen Volkes” schämt sich nicht, mit einer schlechten Imitation aufzutreten (Foto bei BOSTANCI 1997, S.9), mit Längsstreifen in der Armpartie. Die miserabelste şal û şapik-Imitation, offenbar von einem Hersteller aus dem Kapalı Çarşı von Istanbul, besteht aus einem groben, weißen/ beigen Stoff mit ein paar aufgenähten Streifen (Abbildungen u.a. bei: SEYHAN 1991, S.281, Fig.24; S.293, Fig.35).

[21] ÖZKAN/ KARGI 1985, S.18.

 

 

 

 

 

 

Erstellt: 31.Mai 2001

Letzte Änderung: 18.Juli 2001

© Rüdiger Benninghaus, 2001

 

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